oder: Warum einfach alles zen ist
Ich habe eine zen-Kaffeekanne. So eine zen-Kaffeekanne hat sicherlich nicht jeder und doch befindet sie sich potentiell in jedem Kaffeekannen besitzenden Haushalt. Ich liebe diese definitorischen Spitzfindigkeiten.
Meine zen-Kaffeekanne ist darum zen, weil sie alles daneben schüttet, wenn man ihren Inhalt zu schnell aus ihr hinaus befördern möchte. Nun konnte man das auch durchaus als Bedienungsfehler meinerseits oder als schlichte Dummheit deklarieren. Aber wo bleibt denn da der sinnsuchende Spaß?
Meine zen-Kaffeekanne ist also zen, weil sie nur ordnungsgemäß arbeitet, wenn man ihr mit einer gewissen inneren Ruhe begegnet, was für mich in Anbetracht ihres Inhaltes schon im Vorfeld unmöglich ist und bei weiterer Benutzung sogar ins schier absolut Unmögliche entschwindet. Hat man aber genug Zeit, ruhenden Willen und ein koffeinfreies Händchen, dann funktioniert meine Kaffeekanne ganz normal. In diesem Moment ist sie dann die wirkliche zen-Kaffeekanne.
Es gibt aber noch mehr zen-Gegenstände in meinem Umfeld. Ja, ich bin quasi von einer ganzen Armee der zen-Gebrauchsgegenstände umgeben.
Das zen-Bier zum Beispiel. Einmal nicht genug in sich zentriert gewesen beim verlangenden Ins-Glas-Eingießen und schon tummelt sich der ganze Bierschaum auf dem neuen illegal importierten Tropenholztisch. Das Bier im zen-Zustand findet seinen Weg ohne Verluste ins Bierglas und lässt einen mit der schier unbändigen Freude zurück, die man hat, weil man so ein geiler Barkeeper geworden wäre, wenn nicht die dusselige Banklehre dazwischen gekommen wäre.
Das zen-Klopapier. Nur mit der nötigen inneren Ruhe lässt es sich portionsgerecht abrollen und verteilt sich nicht in Wollmäuse fangenden Wellen über die gesamten Badezimmerfliesen.
Der zen-Badeschaum. Er ist ein ganz heimtückischer Vertreter seiner mentalen Gattung, droht er einem bei nicht zentrierter Benutzung unweigerlich mit der augenblicklichen Erstickung in seiner selbst. Und wenn man diese Art des lehrreichen Todes nicht zu schätzen weiß, so findet man seinen Weg ins Badezimmer-Nirvana eben über den Weg des Schädelbruches durch Ausrutschen auf schaumnassen Badezimmerfliesen. Auch gestorben werde sollte also mit Bedacht auf die sich bietenden Möglichkeiten.
Ein besonderes zen-Vergnügen bietet sich mir auch immer dann, wenn ich es einmal im irdischen Momentanleben wagen sollte, einen Johannisbeerbusch seiner reifen Endprodukte zu berauben, bevor es irgendwelche Fruchtalkohol lüsternen Schnapsvögel tun. Wenn man die kleinen roten Fieslinge nicht gleich zen-mäßig mit der nötigen Ruhe und Sorgfalt einzel(!) pflückt, dann bekommt man die überirdische Rache spätestens in dem Moment zu spüren, in dem man seine Beute gerne kulinarisch zu sich nehmen möchte, sich es aber finanziell nicht unbedingt leisten kann, eine Unterkieferresektion aufgrund schmerzhaft eingedrungener Johannisbeerstile vornehmen zu lassen. Jemand sollte eine Sorte zen-Johannisbeeren erfinden, bei deren Ernte man sich einfach nur lange genug mit einer Auffangschüssel bewaffnet unter den betreffenden Busch stellen muss, der dann in aller Ruhe seine endreifen Früchte in die mitgebrachte Milch abregnen lässt.
to be continued… in aller Ruhe.




Leave a Reply