Skurriles von der B-Seite des Gehirns











{September 06, 2006}   Von der willenlosen Beschleunigung unbewegter Körper bei Gefälle

oder: Warum der Tod wirklich gestorben ist

Ich habe den Tod gesehen und wenn eines auf dieser Welt stimmt, dann das: Der Tod trägt Inlineskates. Das erklärt auch wirklich einiges, wenn nicht sogar alles und vor allen Dingen erklärt es die Tatsache, warum der Tod ist wer er ist. Und ich war verdammt nah dran, ihm seinen lauen Job streitig zu machen.
Prinzipiell hielt ich es ja für eine durchaus gute Idee, zur Eisdiele zu skaten, um wenigstens dem schlechten Gewissen irgendwie glaubhaft zu machen, dass die zwei Kilo Schlagsahne auf, unter und neben dem Eisbecher durchaus ihre Daseinsberechtigung haben. Ich hatte bloß leider vergessen, wo ich mich befand. In der Skaterhölle! Die liegt nebenbei bemerkt etwas südlich von Kassel und ist somit für ein absolutes Flachlandgewächs wie mich ähnlich alpin wie für eine Nacktschnecke eine geseifte Kinderspielplatzrutsche. Es war schlichtweg die Hölle. Ich hab mein Leben schon in dem Moment an mir vorbei ziehen sehen, als die festgezurrten Biester unter meinen Füßen schnurstracks der Schwerkraft oder anderen mir auch gänzlich unbekannten Gesetzen der Physik folgend, damit begannen, gen Tal zu rasen. Wer hat denn um Himmels Willen die Dinger auch so konzipiert, dass sie wirklich rollen?! Gut, da rächt sich dann wieder die damalige Schnäppchenjagd im Sportgeschäft. Selbst schuld, wer sich runtergesetzte Markenware kauft. Mit irgendwelchen Discount Kröten-Skates wäre mir das sicherlich nicht passiert. Die wären bestimmt auf den ersten Metern von der unglaublichen Reibungshitze der aufgekommenen Geschwindigkeit einfach zerflossen. Und das wäre mir in dem Moment durchaus sehr recht gewesen. Sicherlich auch dem Autofahrer, vor dem ich schräg auf einen Radweg zujagend die Straßenseite gewechselt habe. Und ich war schnell, schließlich hatte die Straße ein gutes Prozent Gefälle! Das soll man erstmal suchen hier oben im flachen Norden. Ich war gänzlich überfordert, so dass mehr als Schreien physisch leider nicht möglich war. Jegliche Rettungsversuche der bremsenden Art waren unmöglich. Ich war ein rasendes Geschoss aus Angst und Hartplastik, das noch nicht mal in der Lage war mehrheitlich über die Art des bevorstehendes Todes abzustimmen. Immerhin hatte ich die Möglichkeit in ein Kornfeld meiner Wahl zu jagen und mir diverse Ähren unter die Haut zu rammen, über ein Metallgeländer zuschlagen und elendig mit gebrochenem Rückgrat in der angrenzenden Plätscher-Au zu ersaufen oder einfach schnöde an einem kommenden Auto zu zerschellen. Wahrscheinlich war ich aber einfach zu schnell für den Tod, so dass ich es irgendwie geschafft habe, auf der nächsten flachen Ebene zum Stehen zu kommen. Ich bewundere hiermit hochachtungsvoll alle mit kompletten Extremitäten ausgerüsteten Mithumanoiden, die es schaffen, eine gewisse Art der Geschwindigkeitskontrolle in ihre Inlinerfahrt einzubauen. Ich meine, welches kranke Hirn hat denn beschlossen, dass es endcool und zudem noch gesundheitsfördernd, weil angeblich sportlich, sei, sich völlig eigenorientierte kleine Räder unter die Schuhe zu schnallen und damit durch die Gegend zu heitzen, ohne eine Bremse in der näheren Umgebung zu haben? Und jetzt komm mir hier keiner mit diesem dämlichen Stopper am rechten Skate…absolut inakzeptabel. Ich dachte eher an eine Art Schmeißanker, den ich bei auftretendem Spontangefälle zücken und hinter mich werfen kann, so dass im Teer eine Art Bremsrille der besonderen Art entsteht, die mich im einstelligen Stundenkilometerzahlbereich hält und so das Risiko minimiert, als Hartplastik-Menschenfleisch-Geschoss ganze Kornfelder zu zerstören. Nicht auszudenken, der Ernteverlust…
Mein Fazit zu diesen Gefährten des Teufels: Man kann sie zuhause cool irgendwo in einer sportlichen Ecke rumlungern lassen, sie in Poesiealben und Internetforen als heißgeliebtes Hobby angeben und sich vor allen Dingen darüber freuen, dass man trotz ihrer Anwesenheit immer noch am Leben ist.
Es lebe das flache Land. Ahoi!



iKArus says:

Autsch! Das beweist mal wieder, die Dinger gehören erst verkauft, wenn man damit auch wirklich bremsen kann. Ist zwar ähnlich wie beim Schlittschuhlaufen, aber da ist es nicht ganz so dramatisch, wenn es mit dem Bremsen nicht so klappt. Zumindest fahren einem dabei so schnell keine Autos vor der Nase rum. ;)

Aber schön das Du es heile überwunden hast.



Frau Jäckel says:

In Söckchen sind se eh viel lieblicher! ;-)



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