Skurriles von der B-Seite des Gehirns











{Oktober 06, 2006}   Von der absoluten Bedeutungslosigkeit gesprochener Worte

oder: Warum weniger in machen Fällen durchaus mehr wäre

Ach ich kann mich ja so glücklich schätzen, eben wieder einem intellektuell sehr erquickenden Gespräch beigewohnt haben zu dürfen. Es ereignete sich auf einer Wiese nach dem Mit-ner-Freundin-und-den-Hunden-Gassi-gehen-Runde und fand maßgeblich ohne mich statt.
Folgender Dialog drängte sich in die reale Welt:

Frau mit Hund (mich ignorierend und meine Freundin wohlwollend ansprechend): „Er ist ja auch ein großer Hund. Was ist er denn?“
Ich bin ja ein heimlicher Fan von logisch nicht vollendeten Sätzen und Leuten, die diese einfach mit der entsprechenden Ignoranz als ganze Sätze akzeptieren, weshalb ich der Sprecherin dieses Scheinsatzes schon mal einen nicht so wohlwollenden Blick zuwarf.

Freundin: „Ein tschechoslowakischer Wolfshund.“

Frau (dämlich lachend und in erstaunten Einzelsilben sprechend): „Tschech…cho…..slowakisch……….er Wolfs….hund. Das ist ja lustig. Hab ich ja noch nie gehört.“
Merkt man. Ich kann in solchen Momenten leider nicht umhin, eine gewisse Form der verachtenden Antisympathie auszusprühen und beschloss, weiterhin einfach anwesend zu sein.

Freundin (in einen Anfall von akutem Hilfebedürfnis): „Da ist Schäferhund und Wolfshund drin.“

Wenigstens hat mein Hund den Ernst der intellektuellen Lage erkannt und ihrem Hund aus tiefster Loyalität den Ball geklaut, was dieser erst ein paar Gedankenintervalle später bemerkte. Dass mein Hund den eigentlichen Ballbesitzerhund inbrünstig anknurrte und auch durchaus dazu bereit war, das Diebesgut mit seinem Leben und der eventuellen Beschmutzung seines glänzenden Felles zu verteidigen, wenn jener Besitzhund sein Eigentum zurückfordern würde, ist eine Sache, die es mir zugegebenermaßen sehr leicht macht, diesen Caniden äußert sympathisch zu finden.

Frau lacht derweil immer noch dämlich und überlegt wohl, ob sie eine der unbekannten Silben vielleicht schon mal in einem anderen Zusammenhang gehört hat. Nachdem sie mit diesem Vorhaben selbstverständlich nicht all zu großen Erfolg in ihrem überforderten Sprachzentrum verbuchen konnte, sprach sie weiter:
„Der sieht ja aus, als wäre da Wolf mit drin. Ist da Wolf mit drin?“

Nee, da ist wenn überhaupt nur Wolf mit drin.

Ich kann sowas leider nicht ertragen. Ähnlich schön war eine andere Situation, als ich mit einer anderen Freundin einer anderen Tätigkeit nachging, mein Hund aber auch wieder anwesend war. Es war in einem Restaurant und es war schon mental belästigend genug, dass vom Nebentisch immer leise Diskussionsfetzen und Niedlichkeitsbekundungen bezüglich des Caniden herüber schwappten und sich als latent nervend erwiesen. Aber grundlose Dämlichkeit kennt ja keine Grenzen, erst recht nicht in Begleitung von heißem Pizzakäse.
Erst reckte sich der Nachbarkopf mir mitsamt seiner auffordernden Augäpfel entgegen und wollte mich so schon mal auf die bevorstehende Artikulation vorbereiten. Weggucken und ignorieren bringt da ja leider gar nichts, denn genau das scheint für solche Leute das Startsignal zum konversatorischen Ausbruch zu sein.

Tischnachbar: „Ist das ein Border Collie oder ‘n Australian Shepherd?“
Sämtliche Begrüßungs- und Vorstellungsfloskeln kann man getrost weglassen, schließlich isst man ja seine bestellten Köstlichkeiten in unmittelbarer Nähe zueinander und ist sich somit auf eine triglyceridlastige Art sehr vertraut. Essen verbindet halt.

Ich (situationsbedingt mäßig kommunikativ): „Ein Border Collie.“

Tischnachbar: „Hmm, sieht aber aus wie ein Australian Shepherd.“ Sprachs und drehte sich kopfschüttelnd seiner Pizzapartnerin zu.

Na dann frag’ doch nicht so dumm! Wer hat denn bloß um Himmels Willen beschlossen, dass es notwendig ist, derlei intellektuelle Meisterleistungen auch noch von den Stimmbändern in ein erkennbares akustisches Signal umwandeln zu lassen? Da könnte die Evolution doch mal so mutationsmäßig innovativ sein und eine kleine Drüse oder so erfinden, die direkt an ein repräsentatives Zentralhirn angeschlossen ist und die fragwürdige Äußerungen einfach in ein einsilbiges Maultiergrunzen umwandelt. In manchen Momenten bin ich mir sogar nicht ganz sicher, ob es jene Drüse meiner mentalen Träume nicht vielleicht doch schon gibt. Bei dem ein oder anderen Mitmutanten klingen manche Lautäußerungen ja durchaus ähnlich…



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