oder: Warum Kaffeehäuser niemals Gummistiefel verkaufen werden
So, nun ist es ja mal wieder Oktober, womit ich in diesem Fall darauf hinleiten möchte, dass die vorherrschende Wetterlage nun allmählich von kontinuierlich scheiße in kontinuierlich nass und scheiße wechselt. Da mein Hund auch bei diesem Wetter pinkeln und mein Pferd, trotz gewisser Bodennässe, von mir herbeigeschaffte Nahrung unter freiem Himmel zu sich nehmen möchte, fasste ich den brillant anmutenden Plan, mir Gummistiefel zu kaufen. Zumal wirklich jeder Discounter selbige im Moment irgendwo zwischen Oktoberfestpapptellern, Häkelware und nach Lavendel duftenden Thalassopackungen im Angebot hat. Natürlich nicht in meiner Größe. War auch klar. Hatte ich eigentlich auch nicht anders erwartet, immerhin hatte ich ja nicht schon zwei Nächte vorher mein Wigwam vor dem jeweiligen Laden aufgeschlagen und mir extra teure und speziell hergestellte Laufschuhe gekauft, um den Weg vom Eingang zum sehnlichst erhofften Billigstiefel in der kleinstmöglichen Zeit zurückzulegen.
Ist auch für diesen Text hier gerade relativ egal. Ich habe mich letztendlich dazu durchgerungen, mir in diesem Früher-hat-man-bei-mir-mal-Kaffee-gekauft-Laden ein sehr schönes Paar in Größe 38 zu kaufen. Was natürlich (mindestens) eine Größe zu groß ist, aber wiederum die dicke Socken- und Einlegesohlenindustrie ankurbelt, die definitiv noch an mir verdienen wird.
Na, auf jeden Fall hatte ich ja schon mal davon gehört, dass es diese Scheißwettersaison irgendwie in sein soll, Gummistiefel zu tragen, was nicht zuletzt die Farbe der Stiefel meiner Wahl erklärte. Selbige war auch nicht das Schlimmste, denn man hatte ja schon zwei wunderbare Sommer lang Zeit, sich an eine Trendfarbe namens rosa zu gewöhnen, die aber sicherlich in mich momentan verachtenden Fachkreisen nicht rosa genannt wird, sondern bestimmt modisch weitaus kompetentere Namen wie ‘rose’, ‘himbeer’, ‘intensives lachs’, ‘wenn-ich-kein-hellblau-wäre-wäre-ich-eben-das-hier’ oder das ‘neue orange’ ihr Eigen nennen darf.
Viel bezeichnender fand ich allerdings die Artikelbeschreibung, die den guten Stücken bei lag. Artikelbeschreibungen sind sowieso ein nie versiegendes Quell meiner mentalen Erfreutheit, aber diese Beschreibung erfreute mich besonders. Ich hatte mir ja gar keine Gummistiefel gekauft. Nein, fataler Fehler. Wie konnte ich nur. Vor mir standen keine Gummistiefel sondern trendy Damenstiefel. Besonders geeignet zum Tragen bei nassem Wetter. Ok, nee, das ist logisch. War doch mal wieder ein Trend an mir vorbeigegangen. Aber ich meine, bitte. Meinen die Werbeverantwortlichen für dieses wasserdichte Gummiprodukt allen Ernstes, die Dinger verkaufen sich besser, nur weil man etwas, sagen wir mal umständlicher, ausdrückt, was sie wirklich sind? Werden jetzt alle rosaliebenden trendy Damen hinrennen und sagen:
„Nein, das ist ja mal ein schöner Stiefel. Hier Ella guck mal, die trendy Damenstiefel, die die hier haben. Oh, und die kann man sogar bei nassem Wetter anziehen. Nein!“
„Mensch Susi, das ist ja toll. Wo es jetzt auch wieder so oft regnet draußen. Nein, und die Farbe. Die passen total gut zu meinem Mini, weißt du, den in dem neuen orange. Toll!“
„Entschuldigung, meine Damen. Wissen Sie, ob die hier noch welche von den Gummistiefeln haben?“
„Nee, tut uns leid, wir haben keine gesehen. Nicht wahr, Ella?“
Wahnsinn. Ich denke, so wird es sein. Ich danke den Herstellern auch für den Hinweis der Tragemöglichkeit bei nassem Wetter. Ich wäre sonst glatt zuhause geblieben. Man hätte aber auch noch auf die leichte Reinigung mittels Wasser hinweisen können. Besser noch, man hätte es gleich mit anbieten sollen. Ein Set sozusagen. Trendy Damenstiefel mit praktischer Reinigungslösung. Sehr leicht zu handhaben, da wasserlöslich und geruchsneutral. Da würde ich mich drüber freuen. Endlich mal etwas Praktisches, das auch noch voll im Trend liegt. Vielleicht gibt es ja nächste Woche sogar passend eine trendy Damenkombi, bestehend aus Jacke und Hose. Ideal auch bei feuchtem Wetter und farblich abgestimmt auf die trendy Damenstiefel. Mensch, das wär so schön. Und wenn es regnen sollte, zieh ich einfach eine Regenjacke drüber. Nicht, dass das gute Stück nass wird…




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