oder: Warum man Gesichtspuder bald bei den Tütensuppen findet
Ich habe Scheiße gekauft. Richtig dämliche Scheiße. Bloß hab ich das natürlich erst hinterher gemerkt, weshalb ich diese Scheiße jetzt argumentatorisch so runtermachen muss, dass es schon wieder abgrundtief cool ist, sich jene Scheiße gekauft zu haben.
Es geht um Gesichtspuder. Aber natürlich nicht um irgendwelchen Gesichtspuder. Mein Gesichtspuder ist die absolute Innovation unter den Gesichtspudern. Warum? Kann er Kaffee kochen? Nein. Kann er Nietzsche aus einer verschlossenen Pralinenschachtel rückwärts mit russischem Akzent zitieren? Nein. Kann er mir Robbie Williams auf den Arsch malen? Auch nein. Enttäuschend, nicht wahr? Aber für Trübsinnigkeit gibt es keinen Grund, mein neuer Gesichtspuder ist noch viel besser. Das Innovativste von Innovativen, die Neuheit unter den Neuigkeiten, die Kirsch-Mandel-Sahne-Tafel im Discounter-Schokoladenregal. Ich kann es selber gar nicht wirklich begreifen, aber es ist wahr. Mein Puder besteht zu 50 Prozent aus Wasser.
Super, oder? Die unvermeidliche Frage ist bloß: Was soll das? Ich meine, gut, eigentlich ist das wahrscheinlich ziemlich normal. Zumindest, wenn man keine getrocknete Strauchtomate in unmittelbarer Nachbarschaft eines einsatzbereiten Heißluftfönes ist. Aber dieser dämliche Puder wird doch allen Ernstes im Fernsehen damit beworben, dass er nunmal zu 50 Prozent aus Wasser besteht. Innovativ. Anders kann man das wohl nicht ausdrücken.
Glauben diese wunderbaren Werbemacher denn wirklich, dass mir die Aussage des Inhaltes von 50 Prozent reinem (!) Wassers ein Gefühl von absoluter Frische und Einzigartigkeit vermittelt, das mir nur dieser innovative Puder geben kann und das mir bisher zum absoluten Konsumorgasmus noch gefehlt hat? Definitiv nein. Mir vermittelt diese Werbeaussage eher ein Gefühl von Geiz. Wasser habe ich schließlich selber. Kann ich den Puder dann bitte zum halben Preis haben oder besser noch als Instant-Version? Das wäre doch mal innovativ. Ein richtig schöner Instant-Gesichtspuder. Nur noch 50 Prozent Wasser einrühren und gut. Wobei ich natürlich schon verstehen kann, dass so was für eine Kosmetikfirma einfach viel zu gefährlich ist. Was, wenn er innovative Endkonsument in einem Anfall von innovativer Bioverfügbarkeit kein reines Wasser, sondern ein Wasserderivat in die Trockenpudermasse gibt? Buttermilch zum Beispiel. Mit Zitronengeschmack. Für die Frische. Vielleicht hat das böse Wechselwirkungen mit der zu bepudernden Haut und dem innovativen Endkonsumenten wachsen augenblicklich diverse Euter in der mischhäutigen T-Zone. Der bevorstehende Rechtsstreit wäre nicht auszudenken. Dann das Wasser lieber gleich selber zumischen und als bahnbrechende Neuerung vermarkten. Tja, das wahre Genie liegt halt in der Einfachheit. Begraben unter alten wasserfreien Puderresten natürlich.




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