oder: Warum Mayonnaise die neue Trendfarbe ist
Warum findet denn der Wahnsinn mit diesen bauchfreien Tops kein Ende? Ich verstehe es nicht. Und ich leide darunter. Sogar jetzt, wo das Wetter nur noch absolute Herbstgrütze ist, laufen sie rum. Dieses kleinen Teenie-Biester mit den freien Speckbäuchen. Mal von den gesundheitlichen Aspekten wie chronischer Nierenbeckenentzündung und ausgeblichenen 1-Euro-Strings abgesehen, sehen diese Ausgeburten der Clearasil-trinkenden GZSZ-Parteifraktion doch auch einfach nur unangebracht scheiße aus. Ich will das nicht mehr sehen. Aber ich muss. Zugegebenermaßen bin ich ja auch selber Schuld, wenn ich mich zu prä-soap-operialer Zeit in ein primärfarbenlastiges Schnellrestaurant begebe. Aber ich kann mir das auch leisten! Die kleinen Teenieschnecken nicht.
Da hilft es auch herzlich wenig, wenn man sich zum Maxi-Menü die obligatorische Cola-light bestellt. Spätestens bei der Ketchup-Mayo-Frage kommt das wahre Gesicht zum Vorschein. Und das hat in den meisten Fällen ernährungsbedingte Akne.
Aber nicht nur fett sein mit mayonnaisefarbener Haut scheint voll im aktuellen Herbsttrend zu liegen, nein, auch das Tragen von mindestens drei Nummern zu kleiner Körperbekleidung. Wobei das ja eher noch ein Überbleibsel des Spaghettiträger geschundenen Sommers ist. Kein Wunder, Mayo verklebt halt das primitive Hirn und so ist es schon fast wieder entschuldbar, wenn der Ferien geplagte Neuzeitteenie einen Jahreszeitenwechsel gar nicht bemerkt. Temperaturwechsel dringen ja auch nicht bis an irgendwelche dafür bestimmte Rezeptoren vor, da sorgt das triglyceridlastige Isolationsgewebe für, das neuerdings in wissentschaftlichen Studien bezüglich seiner Eignung als Wärmedämmer für Tiefkühltragetaschen getestet wird. Man verspricht sich ein angenehmeres Tragegefühl beim Abtransport der Tiefkühllasagne.
Vielleicht ist aber auch gerade das der Grund für die zu enge Presswurstkleidung. Die verstopfte Teenieseele schreit geradezu nach Kontakt zur Außenwelt und so wird dem Teenie auf unbewusste Weise suggeriert, es wäre modisch völlig unbedenklich, seine Fettreserven möglichst komprimiert zur öffentlichen Schau zu stellen. Dabei will der arme Jungkörper nur wissen, ob er überhaupt noch am Leben ist. Ein Hauch von Gänsehaut könnte da elementar gewinnbringend sein.
Ach wie schön das doch wäre. Ein Leben ohne verwaschene Hüfthosen in Größe 32 an einer 40er Körpermasse und der nicht mehr existente Anblick von gerade mal Brustwarzen bedeckenden XXS-T-Shirts mit aufgedruckten Aufforderungen zum prä-pubertären Geschlechtsverkehr. Eine Welt ohne Breitband-Arschgeweihe und festgezurrter Fettresonanzkörper. Ich bin sicher, wenn man nur still genug ist, kann man sie leise summen hören. Vielleicht ist es aber auch nur das vibrierende Glitzer-Pimp-Handy, das in den gequetschten Tiefen einer Wurstpelle in Jeansoptik nach Aufmerksamkeit und einem Beatmungsgerät schreit.
In diesem Sinne: Befreit die geknechteten Handys aus ihren finsteren Verließen am Arsche der modernen Teenie-Generation!




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