oder: Was dem Bügelautomaten wirklich schwer im Magen liegt
Aber das mentale Drama ereignete sich in zwei Akten. Wenn man sich schon eine neue Waschmaschine inklusive trendy designtem Bullauge und ein ausschließlich blaues Bügeleisen zulegt, dann kann man das Sortiment auch gleich noch um ein neues Bügelbrett erweitern. Immerhin sind die drei zur zukünftigen Kooperation gezwungen und man weiß ja, wie das endet, wenn man ein neues Tierchen zu den alten gesellt. Das gibt nur wieder ekelhafte Fleischwunden, wildes Gequietsche und abgebissene Kabelschwänze. Um das zu vermeiden, sollte man gleich immer eine komplette neue Herde kaufen und diese zum gleichen Zeitpunkt in ihrem neuen Heim miteinander vergesellschaften. Meine Wahl fiel ziemlich schnell auf das 20-Euro-Bügelbrett mit dem wohlklingenden Namen Tina, das mich nicht zuletzt durch sein traumhaftes Farbdesign in gelb, rot und orange überzeugte. Aber meine Gedanken hängen bis heute an jener Ausgeburt der Bügelindustrie, die sicherlich an genau demselben Tisch entworfen wurde, wie die Armee der Endzeitbullaugen.
Das Ding war komplett in einem attraktiven mittelgrau gehalten und wies auch sonst keine weiteren optischen Raffinessen auf. Aber wenn man ein Preisschild mit der Aufschrift 1349 Euro hat und sich Bügelautomat nennt, dann muss man auf Äußerlichkeiten nicht mehr allzu großen Wert legen. Leider muss man auf eine genaue schriftliche Spezifikation seiner Fähigkeiten anscheinend auch keinen Wert mehr legen und so tappe ich bis heute im Mittelgrauen, was die Existenzart dieses Bügelautomaten angeht. Was macht denn bitte so ein Ding? Bügeln? Anzunehmen. Aber was noch? Was rechtfertigt diese sagenhaften 1349 Euro? Kaffee kochen? Doktorarbeiten verfassen? Wollmäuse züchten? Man weiß es nicht. Immerhin hatte die Bügelautomatengestalt unter ihrem Brett einen kleinen grauen Kasten, der zudem auf Rollen daherkam. Ich denke, das Geheimnis liegt in diesem Kasten. Wahrscheinlich eine Armee gentechnisch perfektionierter Hochleistungs-Teddyhamster, die unermüdlich für eine ökologisch vermeintlich unbedenkliche Stromversorgung sorgen. Oder doch lieber den kleinen Heimreaktor, damit die Sache mit der Hamsterscheiße und den Sägespänen wegfällt? Vielleicht enthält der graue Kasten auch eine Telefonnummer mit russischer Vorwahl, unter der man drei Mal die Woche die dialektschwangere Natascha zwecks Bebügelung der eigenen Wäsche anrufen kann. Wodka und Inkasso-Unternehmen bringt sie gleich mit. Dann wäre der Bügelautomat allerdings eher auf eine männliche Zielgruppe ausgerichtet, was in dem uns greifbaren Universum allerdings quasi unmöglich ist. Würde aber natürlich das farblich raffinierte Grau erklären.
Wahrscheinlich ist aber das Naheliegendste wieder mal das, das der Wahrheit am nächsten kommt. Die ganze Gerätschaft ist aus purem Piratengold vom letzten Fluch der Karibik gefertigt inklusive einer von Kaptain Ahab handsignierten Originalausgabe von Moby Dick oder aber: es liegen einfach 1300 Euro in dem Kasten. Ja, das wird es sein. Anders ergibt es auch einfach keinen Sinn. So als Entschädigung für den Mut, den man beim Kauf jenes Objektes eindeutig unter Beweis gestellt hat. 49 Euro muss man aber schon berappen, schließlich erhält man ein modisch mittelgraues Bügelbrett mit mittelgrauem Plastikschränkchen auf Rollen darunter. Schön.



