Die Weltanschauung und der Ketchup sitzen an einem verregneten Nachmittag nach persönlichen Wochentagpräferenzen in einem verrauchten Mittelschichtcafe und nesteln an zwei heißen Gläsern Latte Macchiato herum. Während die Weltanschauung mit sich selbst und dem Macchiato um seiner selbst Willen völlig zufrieden ist, kämpft der Ketchup mit unsymmetrischen Fettflecken am heißen Glas.
Weltanschauung: An diese Gläser gehören keine Fettflecken.
Ketchup: Sie sind aber trotzdem da.
Weltanschauung: Was willst du dagegen unternehmen?
Ketchup: Muss ich etwas dagegen unternehmen?
Weltanschauung: Du machst den Anschein, als würdest du gern.
Ketchup: Woher willst du das wissen? Ich beschäftige mich lediglich mit ihnen, weshalb ich mir noch lange nicht ihre Nichtexistenz herbei sehnen muss. Ich mag sie, vielleicht…
Weltanschauung: Du solltest keine Fettflecken an Macchiatogläsern mögen. Das ist, wenn überhaupt, meine Aufgabe. Aber ich glaube nicht, dass sie in meinen Wunschthemenbereich fällt und deshalb ist sie logischer Weise gar nicht da. Die Aufgabe. Nimm die Pfoten vom Glas.
Ketchup: Bitte?!
Weltanschauung: Du solltest dich nicht mit Dingen beschäftigen, die nicht in deinen Zuständigkeitsbereich fallen. Das ist schlecht für deinen Teint.
Ketchup: Ach wirklich?
Weltanschauung: Du wirkst bläßlich, wenn du das machst.
Ketchup: Na dann.
Beide sitzen noch mehrere Existenzintervalle lang in dem Cafe herum und starren eine nackte Salami an, die im Eingangsbereich neben einer toten Topfpflanze vergessen wurde.




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