Skurriles von der B-Seite des Gehirns











{November 10, 2006}   Der Intellekt des Mastdarms

oder: Warum einem Quizsendungen zukünftig am Arsch vorbei gehen sollten

Der Intellekt klebt am Arsch. Jedenfalls, wenn man das Klopapier meiner Mutter benutzt. Damit möchte ich jetzt nicht das Klopapier in Zusammenhang mit meiner Mutter angreifen, sonder eher das Klopapier in seiner aufgerollten Form an sich und das heilige Hirn, das diese Krönung der Badezimmerschöpfung auf geradezu brillante Art und Weise designt hat.
Die WM ist zwar schon einige Zeit her, aber auf jenem Klopapier ist sie immer noch anwesend. In Form von Quizfragen. Zum Thema Fußball. Auf dem Klopapier.
Ich weiß gar nicht, wie ich diesen Sachverhalt am besten in Worte fassen soll? Sportkulturelle Bildungsmaßnahmen auf einem Stück zweilagigem Billigzellstoff aus dem Sonderpostenmarkt. Endlich. Frage und Antwort natürlich nicht auf einem Blatt, sondern schön säuberlich durch die Abreißperforation getrennt. Man will es dem Endverdauer von heute ja nun auch nicht zu leicht machen. Immerhin kann man sich so wunderbar die Zeit vertreiben, wenn man mal wieder auf die Niederkunft der zu ballststoffreichen Nahrung wartet, weil Kaffee und Zigaretten heute morgen schon wieder aus waren und die tägliche Joggingrunde die Verdauung auch nicht gewinnbringend auf Touren gebracht hat.
Wahrscheinlich ist das auch einfach die Rettung der Nation. Man sollte demnächst einfach alle irgendwie relevanten Sachverhalte auf Klopapier drucken. Wegen mir auch gerne thematisch sortiert. Nicht, dass auf dem ökologisch unbedenklichen Papier, für das zwar kein artgerecht gehaltener Freilandbaum sterben musste, das mich aber zwingt, die neueste Pharmakonzernbombe in Sachen sofortige Schürfwundenbekämpfung auf meinen Allerwertesten aufzutragen, noch die Frage nach den effektivsten Massenvernichtungswaffen steht. Da könnten wieder falsche Nervenbahnen verknüpft werden und das will ja schließlich niemand.
Auf rosafarbenem Kamillenpapier mit eingebautem Lavendelarschstreichler könnten sozio-kulturelle Fragen wie zB. nach der Anzahl der schwulen Mittelschichtfrisöre in Nordhessen oder David Beckhams letzter Komplettrasur einen Platz finden, während das blaue Meeresfrische-lastige Papierderivat sich eher mit geographischen Sachverhalten wie der besten klimatischen Wachstumszone für Freilandcannabisanbau oder der Lage des Deutschen Bundestages im Verhältnis zur günstigsten Dönerbude befassen könnte. Das würde uns sicher weiter bringen.
Bleibt natürlich zu befürchten, was die Straßen-Comedy-Lobby zu diesen anstehenden massiven Bildungsmaßnahmen sagt. Immerhin gingen uns dann unzählige Radio- und Fernsehsequenzen verloren, in denen Ecuador ein afrikanischer Bundesstaat ist, SOKO Leipzig irgendwo in Wien spielt und das Periodensystem maßgeblich für das Eintreten einer sowieso grundsätzlich fehlverhüteten Schwangerschaft verantwortlich ist.
Das sind mich erfreuende Sachen, die eigentlich gar nicht missen möchte. Im Gegensatz zu sprachlich bedrucktem Klopapier…




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