Skurriles von der B-Seite des Gehirns











{November 11, 2006}   Von der Evolution des menschlichen Bewegungsdranges

oder: Warum Trendsportarten weniger gefährlich sind als sie scheinen

Ein neuer Trend ist da. Vorgestellt im ZDF-Frühstücksfernsehen. Wieder einmal eine Sache, die keinen Zweifel offen lässt, dass die Welt in ihrer vorherigen Existenz einfach nicht komplett war. Ein schöner neuer Trend, ein schönes neues Wort, sehr zeitbezogen und trotzdem sich dem tieferen Sinn irgendeiner Logik komplett entziehend.
Guerilla-Yoga.
?!
Ja, klingt einfach wunderbar. Ist wahrscheinlich auch einfach wunderbar, weil völlig innovativ. Und das ist es ja schließlich, was die Menschheit heute braucht. Wenn der Absatzmarkt für mundgeblasene Yogakissen mit eingebautem Bioresonanztensor und Halterung für den sportpolitisch korrekten Molkedrink mit Fettgehalt im Nanogrammbereich und Zusatzstofflisten mit mehr Buchstaben, als das Alphabet überhaupt zu bieten hat, stagniert, dann müssen Innovationen her. Gerne natürlich mit nicht deutschen Begrifflichkeiten. Das ist cooler, das ist trendy, das ist guerilla in diesem Fall.
Nun darf man aber keine falschen logischen Schlüsse ziehen. Guerilla-Yoga ist nicht etwa eine besonders kampflustige Yoga-Art, in der die Hausfrau von heute gezielt vermittelt bekommt, mit welchen Bewegungstaktiken ihrerseits sie den Göttergatten auf zermürbende Art und Weise dazu kriegen kann, doch noch schnell den halben Liter Milch aus dem Supermarkt zu holen, um dann genügend Zeit zu haben, die Krawatte für den morgigen Arbeitstag mit geruchsneutralem Nervengift zu bestäuben. Nein. Der familiäre Kleinkrieg bleibt thematisch unbeeinflusst.
Es handelt sich beim Guerilla-Yoga lediglich um Yoga an außergewöhnlichen Orten. Wie zum Beispiel im Park. Auf einer Wiese. Unter freiem Himmel.
Da kommt der echte Yogi schon mal ins Staunen und fragt sich, warum er selbst nicht diese traumhafte Marketing-Idee hatte. Freiluft-Yoga klingt ja aber nach nichts. Impliziert auch nicht den gewissen Abenteuerkick. Deshalb kann Guerilla-Yoga übrigens auch an Orten wie baufälligen Ghettoruinen, LSD-lastigen Bahnhofsklos oder einfach mitten auf der Supermarktkasse an einem Freitagabend kurz vor Ladenschluss stattfinden. Letzteres würde dann vielleicht doch noch das kriegerische in den Sport einfließen lassen.
Sicherlich werden noch weitere Trendsportarten aus dieser neuen Sparte bald das Licht der Welt erblicken. Sehr große Chancen am deutschen Fitnessmarkt rechne ich da dem Terror-Tai-Chi (Ausübung der Tai-Chi-Übungen im trendy Kopftuch-Look), dem Bush-Spinning (gehirnfreies radfahren auf geölten Spinningrädern im Camouflage-Gewand) und dem Ninja-Turtle-Autogenem-Training (entspanntes auf dem Sofa liegen mit zeitgleicher Verspeisung diverser Salamipizzen) zu.
Ach wie schön Sport doch sein kann, wenn er bloß ein geeignetes Präfix sein Eigen nennen darf.



Leave a Reply


about

Skurriles von der B-Seite des Gehirns

pages
categories
calendar
November 2006
M D M D F S S
« Oct   Dec »
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  
archive
Blogroll
et cetera