Skurriles von der B-Seite des Gehirns











{November 13, 2006}   Von Fettspritzern und Quotentomaten

oder: Warum der Franz sein Brötchen lieber ohne Butter essen sollte

Wieso macht diese Frau beim Bäcker das? Wieso? Wieso bietet die mir ein Butter-Franzbrötchen mit Kürbiskernen drauf an?
Für all die kulinarisch Unwissenden vorweg: Ein Butter-Franzbrötchen ist eine tierisch fettige Komposition aus tierisch fettigen Fetten, noch einigen Fetten, etwas, das aussieht wie mit Fett voll gesogener Blätterteig und sehr viel mit Fett übersättigter Zucker. Das alles wird mit einer Note Zimt aromatisiert und in eine ziemlich Fladen ähnliche Form gebracht, die nicht wirklich wie ein Brötchen aussieht. Mit Franz weißt es im Allgemeinen allerdings gewisse Ähnlichkeiten auf.
Will heißen, das Ding ist scheiße ungesund, aber durchaus deliziös.
Und warum in aller Welt müssen da nun Kürbiskerne rauf? Ich verstehe das nicht. Und vor allen Dingen: Ich will das nicht. Ich will mein ernährungsphysiologisch komplett minderwertiges Lebensmittel auch in seiner ursprünglichen Form genießen. Nicht verfremdet durch irgendwelchen Quotengesundheitsfraß in zerhäckselter Röstsamenform. Warum macht man das denn? Ist die Menschheit echt so dumm und kauft den fettigen Ernährungdreck mit besserem Gewissen, wenn nur irgendwo in der Nähe eine vereinsamte Gurkenscheibe rumlungert? So dumm kann man doch gar nicht sein. Das funktioniert doch einfach nicht. Wenn ich das fett triefende Maximenü mit drei Tüten Mayo und extra Burger in mich reinkloppe, dann hilft mir auch der kleine Salat am Rande nicht mehr viel. Ich meine, gut, rein rechentechnisch senkt der natürlich ungemein die Durchschnittskalorien- und Fettzahl pro verzehrtem Gramm. Aber so funktioniert das ja leider nicht. Ich kann ja nicht zum Familieneimer Chips drei Salatgurken am Stück essen und nachher behaupten, ich hätte einen vollwertigen Zwischendurch-Snack zu mir genommen.
Das muss aufhören. Ich möchte gerne den ursprünglichen Dreck essen. In seiner Reinform. Um seiner selbst Willen quasi. Keinen fettschwangeren Schoko-Donut mit ungeschälten Apfelstücken, kein tierisches Mettbrötchen mit Quotentomate und keine Fertigpizza mit Ruccolasalat in der abgespeckten Light-Version zum Bio-Sonderpreis.
Wenn man sich schon scheiße ernährt, dann wenigstens richtig. Ganz oder gar nicht. Sein oder Nichtsein. Tom oder Jerry. Das Schlechte als vollständiges Element des Guten. Ein Spiel der fetthaltigen Gegensätze. Wo kämen wir denn schließlich hin, wenn Dr. Evil Austin Powers eine Packung biologisch verwertbarer Potenzförderer anböte oder das Yin dem Yang sagt, das es ab nun lieber ein wenig grau trage. Das funktioniert nicht. Die Welt würde verpuffen zu einem schleimigen Haufen der Mittelmäßigkeit, auf den langsam ein Regen aus Fettspritzern und krümeligen Kürbiskernen niedergehen würde.
Unangenehm.




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