oder: Warum Kaffeetassen von innen immer fettfrei sein sollten
Hier, wie ist jetzt eigentlich die Sache mit den Kaffeemaschinen? Ich gehöre ja zu der Gattung Mensch, die immer noch (!) keine von diesen Kaffeepad-Automaten ihr Eigen nennen darf. Und ich sehe bisher auch keinen Grund, jemals so ein Objekt käuflich zu erwerben.
Warum denn auch? Mal ehrlich, schmeckt der Kaffee aus diesen arschteuren Portionsbeutelbespuckern denn nun wirklich besser als der gute alte Filterkaffee aus meiner blauen Plastikmaschine mit weiblichem Markenvornamen?
Ich meckere ja nicht nur, ich habe es ja auch schon mal getestet. Und für nicht gut befunden. Das mag aber auch mal wieder an meinem mysteriösen Wesen liegen, das man mit scheinbar neuen bedarfsgerechten Innovationen eher verärgert denn erfreut.
Die Trinktemperatur zum Beispiel. Das Zeugs aus den Automaten ist mir einfach viel zu kalt. Kalt jetzt im Sinne von nicht mehr kochend heiß. Mein Traumkaffee ist so heiß, dass eine gängige Durchschnittslippe beim Erstkontakt mit dem Bohnengetränk sofort nässende Blasen schlägt. Das muss so sein, denn das steigert ungemein die Vorfreude. Und außerdem muss ich mit meinem Heißgetränk ja erstmal den Endbestimmungsort des genüsslichen Trinkens erreichen, um mich dann noch einmal eine Weile an seiner qualmend duftenden Existenz erfreuen zu können. Nach frühestens fünf Minuten und einer Röstbohnen-Gedenk-Meditation bin ich dann zum Trinken bereit und erwarte etwas Heißes in der Tasse. Ein männlicher Leoparden-Stringtanga ist mir dabei zum Glück noch nie erschienen.
Ganz besonders toll ist diesbezüglich (im Sinne von heiß, nicht im Sinne des Tangas) der McDonalds-Kaffee. Wenn man seine kalten Pommes für zwei Minütchen in die Nähe des Bechers legt, sind sie wieder heiß und ich wollte fast schon frisch sagen, aber nun ja.
Die Kaffee-Anfangstemperatur ist auch deshalb sehr wichtig, da ich ja etwas Milch meinem Kaffee beimenge. Und da diese ja nun leider meistens aus dem kühlen Kühlschrank und nicht aus dem handwarmen Euter kommt, kühlt Kaffee mit zu niedriger Ausgangstemperatur einfach zu schnell ab. Inakzeptabel. Einfach inakzeptabel.
Da lobe ich mir mein bodum-Ein-Tassen-Kaffeemaschinchen. Pulver rein, kochendes Wasser drüber. Fertig. Genuss pur.
Ich finde diese ganzen Pad-Geschichten ja auch geschmacklich nicht soo doll. Vor allen Dingen, wenn auf ihren umweltfreundlichen Einzelverpackungen irgendeine Variation des neudeutschen Wortstammes Crema steht. Da ist dann am Ende immer diese ekelerregende hellbraune Schaumschicht auf dem Kaffee, auf der Harald Schmidt dann seinen metaphorischen Keks testen kann, die aber ansonsten keine andere Funktion hat außer scheiße zu schmecken. Da klebt einem dann dieser braune Schaum am Maul und man sieht aus, als hätte man die Kaffee-Tollwut, frisch übertragen durch den Biss eines demoralisierten Endzeitkaffeeautomaten auf verhaltensphysiologischen Abwegen. Selbst das Kaffeewasser schmeckt irgendwie cremig.
Ich will nicht, dass mein Kaffee cremig schmeckt! Ich will ein normales Wasseraroma, das meinen Mundinnenraum benetzt wie Wasser es eben normaler Weise für richtig hält. Wenn ich Cremigkeit will, dann schmiere ich meine Tasse vorher mit Nivea aus oder halte mir gleichzeitig die Sprühsahneflasche oder eine Kanne Motoröl an den Mund.
Ich glaube ja auch eh, dass diese Kaffeeautomaten in nächster Zeit lebendig oder zumindest ein manipulativ veranlagtes Eigenleben entwickeln werden. Dann drückt man nichts ahnender Weise auf die Cafe Crema Taste und kriegt aber einen lauwarmen Frappuccino mit Minzaroma und deplatzierter Deko-Tomatenscheibe. Der Kaffeeautomat wird natürlich jegliche Art der Stellungnahme verweigern und einen anmaulen, man könnte den Kaffee ja auch schließlich selber kochen, wenn er einem nicht schmecken würde, ansonsten wäre er sehr gerne bereit, einen mit siedendem Kakao zu bespucken, seinen Dienst zu quittieren und fortan in der Staubsaugerbranche tätig zu werden. Dort würde man seine Dienste wenigstens zu schätzen wissen. Da würde nämlich niemand von ihm verlangen, einen geschmacksneutralen Kamillentee aufzubrühen, unmittelbar nachdem er fünf Cappuccini mit Keksaroma und dreihundert Milchkaffee bespuckt hat und eigentlich nur noch ein kleines Nickerchen zur Verdauung des ganzen Kaffeepadmülls halten möchte.
Meine bodum-Kanne lebt da wesentlich stressfreier…



