oder: Warum das eine ohne das andere keinen Sinn macht
Meine anfängliche Euphorie bezüglich der insularen Süßwaren ist etwas verflogen, aber die Faszination ist noch immer da. Immerhin war ich inzwischen in der Lage, mal genauer hinzusehen und ich sah die ein oder andere gestalterische Raffinesse, die mein Zucker geplagtes Hirn erfreute.
Zum Beispiel die Hinweise für die armen Nussallergiker auf dieser Welt. Ich habe ja mittlerweile schon gelernt, dass einfach jedes Lebensmittel, und sei es noch so weltfremd, Spuren von Nüssen enthalten kann. Da muss man wirklich mal drauf achten. Überall können Spuren von Nüssen enthalten sein. Und in dieser grammatikalischen Form ist das philosophisch betrachtet ja auch durchaus richtig. Eine Nuss kann überall sein. Nur weil sie bis gestern niemals in der Nähe eines Paprika-Frischkäse-Brotaufstriches mit Olivengeschmack existierte, muss das ja nicht immer so sein. Schon heute kann eine Nuss in der Nähe sein. Feindlich lauernd auf die Inbeschlagnahme eines artfremdes Produktionsbandes, nur um am Ende als Warnhinweis auf einem Vollkornweizenbrot zu enden. Die wahren Philosophen dieser Welt sind nämlich in Wirklichkeit die Nussartigen, die als einzige von sich behaupten verstanden zu haben, dass das Nichtexistente durchaus schon Morgen früh in deinem Senfglas sein kann.
Aber nun mal zum Punkt. Marks&Spencer warnt Nussallergiker vor Nüssen auf einer Walnuss-Pralinen-Packung?! Der Engländer scheint also auch nicht mehr vernetzende Grundhirnmasse als der Durchschnittserdling zu haben. Irgendwie beruhigend.
Der Engländer neigt aber anscheinend auch sehr zu erklärenden Piktogrammen auf seinen Verpackungen. So weist ein grünes V auf die Unbedenklichkeit für Vegetarier hin. Bei Schokokuchen.
Ein hübsches graues Bildchen eines vereinsamten englischen Küchenschrankes möchte einen dazu auffordern, die Walnusspralinen in selbigen rein zulegen. Wahrscheinlich hat er Hunger. Man sollte den Küchenschrank aber um Gottes Willen nicht mit dem Gefrierschrank verwechseln, denn davor warnt eindringlichst eine durchgestrichene Schneeflocke.
Wie gut allerdings, dass der Engländer seine Piktogramme nebenstehend schriftlich erläutert. Ich wäre sonst auch echt aufgeschmissen gewesen. Was sagt mir denn schon ein einzelnes grünes V? Ein Sammelbuchstabe zum Ausschneiden und Aufkleben, der einem zum Erhalt einer Nuss nach Wahl berechtigt, wenn man das Wort Vollidiot zusammen gesammelt hat? Die grüne Farbe legt einem natürlich den Bezug zur Natur nahe, aber ebenso gut könnte es bedeuten, dass der Verpackungsdesigner eine Vorliebe für grüne Veilchen oder eingefärbte Vogelsträuße hat. Weiß man’s?
Hätte neben der durchgestrichenen Schneeflocke nicht Not suitable for freezing gestanden, hätte ich es einfach vermieden, die kleinen Küchlein bei Schneefall zu verspeisen. Wie bedauerlich das in der Vorweihnachtszeit doch gewesen wäre.
Und das Bildchen der grauen Küchenschranktür? Naja, vielleicht versteckte Ikea-Werbung oder eine Art Warnhinweis wie Nicht in der Nähe von Türen essen. Man weiß es nicht.
Aber eins weiß ich jetzt. Die Antwort auf die Frage nach einfach allem. Dem Sinn des Lebens, der Größe des Universums und der durchschnittlichen Wachstumsdauer von Speisemöhrenim ungedüngten Gartenbeet. Die Antwort lautet (nicht 42, sondern):
Wegen der Nüsse. Die sind schließlich überall.




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