Skurriles von der B-Seite des Gehirns











{November 21, 2006}   Das unbeschreibliche Leid der kleinen Syntax

oder: Warum die Menschheit einfach komplett die Schnauze halten sollte

Einen wunderschönen Guten Tag liebe Welt. Ich beginne heute einfach mal kommentarlos mit diesem:

hi i wollt jetzt mal fragen ob du scho debist de wo am freitag bei da Christina war?

und diesem:

halo deaf i mal fragen wer du bist und wo kommst du her

Schön, oder? Das sind sind grammatikalische Missgeburten, wie sie nur icq oder ähnliche Textbruchstück-Verständigungsprogramme hervorbringen können. Ich kann sowas nicht leiden. Erst recht nicht, wenn es mich betrifft und sich ungefragt auf meinem Monitor entfaltet. So viele Leute kann ich gar nicht sperren. Ich sehe ja vielleicht noch minimal ein, dass man unter privaten Umständen nicht ganz so sehr auf Rechtschreibung und korrekte Satzzeichenverwendung achtet. Aber so?
Muss das denn wirklich sein? Und was ist denn das auch überhaupt? Ich meine, wie soll man das bezeichnen, was da oben steht? So rein definitorisch. Ein SATZ ist es bestimmt nicht. Im besten Fall könnte man es noch wohlwollend als Aussage deklarieren.
Dass die Groß- und Kleinschreibung komplett abgeschafft ist, daran habe ich mich ja schon fast gewöhnt. Leider, denn ich will mich daran eigentlich gar nicht gewöhnen. Auch einige Kürzel, wie sie ja gerne in sms(!) vorkommen, kann ich schon ganz gut deuten. Und auch, welche Satzzeichen man zu welchem Smiley kombinieren kann. Aber das? Das kann man ja auch noch nicht mal als Lautschrift bezeichnen. Selbst der mieseste Dialekt klingt nicht so. Und wenn doch, dann möchte ich nicht den Körper sehen, der an den Fingern dranhängt, die das in die Tasten gehauen haben. Grauselig.
Vielleicht steckt aber doch unerwarteter Weise ein höhere Intelligenz dahinter und die oben stehenden scheinbar völlig sinnfreien Lautäußerungen ergeben in anderer Reihenfolge den eigentlichen Aussagesatz. Ein Rätsel quasi. Oder ein Geheimcode, um den eigentlichen IQ von 156 vor den geheimen Forschungslaboren dieser Welt geheim zu halten.
Immerhin kann man aus den ersten Buchstabenanreihungen (Wörter kann man ja nicht sagen…) so herrliche Sätze bilden wie:

hi i wollt jetzt scho am freitag da christina mal fragen ob du de bist de wo war?
(Übersetzung: Sehr geehrter unbekannter Leser: Ich wollte jetzt die Christina schon am Freitag mal fragen, ob Du der bist, der wo war?)
Eine höchst philosophische Betrachtungsweise der Welt und des Lebens, geradezu existenzialistisch.

oder:

deaf i halo mal fragen wer du bist und wo du her kommst?
(Bitte, bitte, frage nur mein Kind. Wenn halo sich damit auskennt…!?)

Das muss aufhören. Definitiv. Ich wäre für eine bundesweite Buntstiftkampagne in den Farben rot, blau und grün, damit jeder Depp vor der Benutzung von icq seinen Satz der Wahl erst noch mal auf Subjekt, Prädikat und Objekt überprüfen kann. Aber wahrscheinlich kratzen die Idioten dann ihren Monitor dabei kaputt und beehren daraufhin eine arme Service-Hotline-Seele mit ihrem problematischen Anliegen. Und da wird sie dann leider erst recht niemand verstehen, denn am Telefon bleibt leider oft nicht genug Zeit für grammatikalische Grundsatzrätsel, so dass die Antwort einfach immer nur „Wir kümmern uns drum“ lauten kann und der arme Service-Hotline-Mensch spätestens nach einer Woche freiwillig den Job vom Pizza-Taxi annimmt, bei dem nur die Kenntnisse der Worte hä?, Alter…, und Salami verlangt werden. Da bleiben nicht so viele Kombinationsmöglichkeiten für eventuelle Sätze und man kommt besser zurecht.
Wir haben ja auch einfach viel zu viele Worte, das sehe ich ja ein. Da ist man natürlich leicht überfordert und das sollte man auch zeigen. Ich fordere hiermit die Minimierung der Sprache auf drei-wortige Subjekt-Prädikat-Objekt-Sätze. Dann wird immer konsequent am Satzanfang groß geschrieben (wenn man ihn den erkennt), in der Mitte klein und am Ende…oje. Das wird doch zu kompliziert.
Vielleicht Piktogramme? Die lassen sich bei icq natürlich nur schwierig darstellen, aber man kann ja die smiley-Option vielleicht ein wenig erweitern. Dann brauchen wir nämlich gar keine Worte mehr. Nur noch Bildchen und Lautäußerungen. Wie wunderbar.
Da geht der Trend wohl hin. Eindeutig.



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