oder: Warum kein Schwein bei Media Markt kauft
Also Verkäufer sind schon arme überforderte Wesen. Mein Gott, kann es denn sein…?
Da wollte ich gestern Nachmittag neue Batterien für das Leuchthalsband meines temporär illuminierten Hundes kaufen und musste wieder an der eigenen Psyche erfahren, wie grauselig mental fehlbeleuchtet diese Welt doch ist.
Ich muss dazu sagen, die benötigten Batterien entbehren nicht einer gewissen Seltenheit, weshalb der Leuchthalsband-Internet-Hersteller sie nicht ohne Grund auf seiner Seite als Ersatzteile anbietet. Aber naja, versuchen kann man’s ja mal. Irgendwo muss man die Biester ja auch so her kriegen. Und vor allem sofort. Immerhin ist mein Hund JETZT unbeleuchtet. Vielleicht sollte man aber nicht unbedingt im Media-Markt suchen.
Nachdem ich mich vergeblichst selbst bemüht hatte, die Wunschzellen meiner erleuchteten Träume zu finden und kläglich am Zehnerpack Normalbatterien mit Trommelhäschen-Bonusaufkleber gescheitert bin, dachte ich mir: Fragste mal einen Verkäufer. Vielleicht weiß der Bescheid. Immerhin lungerten die Batterien hier an allen Ecken und Enden im Laden herum. Nämlich by the way überall dort, wo sich die Geräte befanden, für die sie wohl am meisten benutzt werden. Das finde ich mal eine super Ladenstruktur. Hat sich bestimmt das tolle Werbeschweinchen erdacht, damit alle Kunden aufgrund von akuter Genervtheit wie die wilden Eber aufeinander losgehen.
Ich frage also einen der uniformierten pickeligen Mitarbeiter, ob er denn wohl wüsste, wo genau in diesem Laden sich diese Batterien befinden. Meine versteckte Kritik am Warensortierungssystem hat er natürlich nicht erkannt. Depp.
Er nahm dann mein lebloses Leuchthalsband in die Hand und wollte gerade die Batterien heraus bauen, als ich ihm nahe legte, das doch lieber nicht zu tun. Immerhin befanden sich selbige Batterien unter transparentem Plastik, waren somit also durchaus auch für zweistellige IQ-Benutzer sichtbar, und ich wollte nachher nicht alle Einzelteile des Halsbandes seinen fettigen post-pubertären Wurstfingern entreißen müssen. Er tat dann wirklich Erstaunliches. Nämlich das gleiche wie ich. Er ging alle Batterieschauplätze durch und guckte nach, ob dort jene Batterien zu finden sind. Danke! Welch Hilfe. Da wäre ich von alleine nicht drauf gekommen. Muss ich mir unbedingt merken und in mein aktives Vehaltensrepertoire übernehmen.
Diese Marotte scheint aber ein typisches Verkäuferverhalten zu sein. Das wird bestimmt auf den entsprechenden Berufsschulen als interaktives Wahlpflichtfach angeboten: Wie tue ich am effektivsten so, als würde ich nur ein Fünkchen mehr Ahnung haben als der Kunde?
Dabei wie ein Hafer suchendes Suppenhuhn kurz vorm Feuertod durch den halben Markt zu laufen, gehört mit Sicherheit zur modernen Geschäftspraktik. Wer weiß, vielleicht laufe ich dabei doch noch an dem Wäschetrockner meiner zerknitterten Träume vorbei und entscheide mich ganz spontan zum Kauf von 53 Stück. Man weiß es nicht. Aber der Verkäufer weiß. Und er weiß, dass er weiß. Auf Aussagen wie: „Da habe ich schon selber nachgeguckt. Da sind die nicht“, reagiert diese Spezies allerdings gerne allergisch. Zu bemerken an den noch leuchtenderen Pickeln und dem spontanen Erscheinen eines Bananenkuchens in ihrer unmittelbaren Umgebung.
Er hat dann gesagt, er hätte keine Batterien da. Super. Ich frage mich, warum man für derart geballtes Fachwissen und Kundenfreundlichkeit überhaupt irgendeinen Schulabschluss braucht.
Vielleicht wäre dem guten Kerl ja geholfen, wenn ihm jemand mal eine Ladung wiederaufladbarer Batterien ins entladene Hirn kloppt. Hoffentlich geht ihm dann ein Licht auf.



