Skurriles von der B-Seite des Gehirns











{Dezember 05, 2006}   Von der Ignoranz des Bestehenden

oder:  Warum die gebrannte Mandel es nie zum Datenträger geschafft hat

Oh mein Gott, es ist kein Ende in Sicht, einfach kein Ende. Und dabei wollte ich doch nur ein paar Photos bestellen. Die Tatsache, dass vor ein paar Wochen eine unbedarfte Rossmann-Verkäuferin ganz ungläubig auf meine selbst gebrannte CD guckte und mich(!) völlig erstaunt fragte, ob das denn hier überhaupt möglich sei mit der Photo-Entwicklung mittels solch innovativer Datenträger, hatte ich bis vor ein paar Tagen eigentlich schon erfolgreich verdrängt. Aber dann ging es weiter. Des Dramas zweiter Teil, wieder bei Rossmann. Ich möchte vorab noch mal betonen, dass Rossmann dick und fett für seinen digitalen Photo-Service wirbt…

Ich hatte also die CD in das dafür vorgesehene und auf dem Monitor graphisch illustrierte Laufwerk geschoben, mit meinen fettigen Fingern ein wenig auf dem ungemein sensiblen Touch-Screen rumgemacht und den Rechner davon überzeugt, dass er nun die Bilder einlesen könnte, um mich vier Tage später mit unsagbar tollen Aufnahmen zu beglücken. Tat er auch. Bis Bild Nummer 43. Die letzten vier Bilder wollte er nicht. Gut, mein Brenner hatte beim Schließen des Brennvorganges auch irgendwo melodisch basslastig und farblich rot untermalt rumgemotzt und einen Fehler vermeldet, aber nun denn. Ich dachte, das geht irgendwie trotzdem. Tat es nicht. Ich konnte damit aber leben, im Gegensatz zur Rossmann-Kompetenz-Verkäuferin. Die kam sogleich herbeigeeilt, als sie meine Notlage mittels ihrer geschulten Sinnesorgane wahrnahm.

Ob sie helfen könne?

Wenn sie die CD lesen kann?!

Den Witz verstand sie natürlich nicht und machte sich sogleich ernsthaft daran, wie ein neu geborenes Kind, das zum ersten Mal sein runzeliges Spiegelbild sieht, auf dem Touch-Screen herum zu hämmern. Natürlich kam sie zu keinem Ergebnis. Der Rechner und ich waren ja eigentlich auch schon fertig gewesen mit der stillen Übereinkunft, es morgen einfach mit einer ordentlichen CD nochmal zu versuchen. Ich wollte ihr erklären, warum es nicht funktionierte, aber sie hämmerte weiter. Dann nahm sie die CD raus und tat sie wieder rein.

„Sie haben 1 Bild bestellt.“ Wohlgemerkt eher als Aussagesatz formuliert, denn als höfliche Nachfrage.

„Nein, 47.“

„Nein, 1.“

Das war der Punkt, an dem ich ihr hemmungslos ins Gesicht hätte springen sollen. Ich wurde schon an dem Punkt gereizt, an dem sie sich ins schon geschehene Geschehen eingemischt hat, aber DAS. Herzlichen Dank, liebes Rossmann-Mausilein, ich weiß noch ganz gut selber, wie viele Bilder ich bestellt habe. Und unqualifizierten Widerspruch gegen eine bestehende Realität kann ich schon mal gar nicht leiden. Erst recht nicht, wenn der widersprüchliche Widersprecher dann auf den Touch-Screen schaut und unter den Schlieren seiner fettigen Regalsortiererfinger sehen muss, dass dort 1 Auftrag steht. Bestehend aus 47 Bildern. Nicht 1 Bild. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Und wer die gelesene Information dann auch noch verarbeiten kann, der arbeitet anscheinend nicht bei Rossmann.

Ich weiß nicht, wie oft sie dann noch versucht hat, den Rechner dazu zukriegen, die Bestellung anzunehmen. Aber auch mit Hilfe ihrer kompetenten Anwesenheit konnte der Rechner sich nicht über diesen Fehler beim Brennen hinwegsetzen. Sie wusste nicht, was ich wollte. Wahrscheinlich hat sie gedacht, ich hätte die CD zuhause in die Mikrowelle gestopft oder sie in der Pfanne mit ein wenig Weißwein und diversen Salbeiblättern knusprig angebraten.

Warum um Himmels Willen schickt man diese armen Rossmann-Mädels nicht einfach mal einen Tag auf eine Fortbildung, damit sie lernen, dass USB-Sticks nicht in das Regal für salziges Knuspergebäck gehören?! Wahrscheinlich gibt es derlei Fortbildungen aber auch einfach nicht, weil sich kein Wissender für kein Geld und keine Weißweinsauce der Welt SOWAS antun möchte.

Ich bin dann einen Laden weiter zur Konkurrenz gegangen. Und es sollte noch schlimmer werden…



Legatus says:

Ich glaube heutzutage ist es mittlerweile Standard das die meisten Mitarbeiter im Verkaufswesen keine Ahnung mehr haben was sie da wirklich alles verkaufen und anbieten. Das macht die Servicewüste Deutschland natürlich noch ein wenig wüstiger… Aber das gibt es überall…auch ich bin im Mediamarkt schon bei der Frage nach einem Verlängerungskabel für USB mit den Worten “Das finden Sie in der Elektroabteilung bei den Steckdosen” abgespeist worden. Das der Typ am Infoschalter des Computerzubehör-Bereichs stand muss ich nicht extra erwähnen…oder?



Die Existenz says:

Oh wie schön, dann hättest du mal gleich noch nach dem Adapter fragen sollen, mit dem du die beiden Kabel verbinden kannst. Ich befürchte ja fast, die hätten allen Ernstes nach sowas gesucht…



Legatus says:

Das glaube ich auch…und für sowas ist mir meine Zeit einfach zu schade…Wenn ich einen Verkäufer etwas frage, dann erwarte ich zumindest das er so viel Ahnung von der Materie hat, dass er zugeben kann etwas nicht zu wissen oder mir sagen kann wo ich was finde…alles andere ist für mich nur verschwendete Zeit…Ich hab ihn wortlos stehen lassen und selber gesucht…



Die Existenz says:

Jaa, damit ist man meist besser beraten.
Und man erspart sich diese elendigen pseudo-kompetenten Verkaufsgespräche, die jeder Gerichts-Show-Laien-schauspieler überzeugender rüber bringen könnte…



flash says:

Versuche aber auch nicht die Internetbestellung. Ich bin daran gescheitert, dass ich als Hausnummer die 32 eingab und im System immer wieder die 30 stand.



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