Skurriles von der B-Seite des Gehirns











{Dezember 06, 2006}   Des photogenen Dramas zweiter Teil

oder: Warum Computer telepathische Medien sind

Das Drama ging weiter. Einen Laden weiter links am Photo-Terminal von real. Ich habe jene fehlgebrannte CD dem dortigen Rechner auch noch anvertraut, in der Hoffnung, dieser wäre so schlau wie mein Rechner und würde sich einfach über diese dumme Fehlermeldung beim Brennen hinwegsetzen. Mein Rechner erkennt jene CD nämlich komplett und ohne Probleme. Nicht aber der Rechner des Photo-Terminals von real. Der hing sich dermaßen in einer Bitte-haben-Sie-noch-einen-Moment-Geduld-Endlosschleife auf, dass er nicht mehr fähig war, die CD aus eigener Kraft wieder auszuspucken. Auch ein zärtliches auf den Rücken klopfen half nicht.
Ja, ja, nun war kompetente Hilfe gefragt. Die Dame an der Information (zu der das Photo-Terminal gehörte…) weigerte sich sogleich strikt und holte einen ungemein kompetent wirkenden Herren in hellblauem Hemd und grauer Anzughose herbei. Der machte auch erstmal wild auf dem Touch-Screen rum (wie ich mittlerweile gelernt habe: ein Zeichen totaler Hilflosigkeit) um dann folgende Frage aus seinem kompetenten Mäulchen kriechen zu lassen:
„Haben Sie die CD auch richtig herum eingelegt?“
Ich sagte ja, aber ich sagte es in einem nicht seehr freundlichen Tonfall. Schlimmer wäre nur noch gewesen, wenn er wie mein Freund die Word-Büroklammer gesagt hätte: Anscheinend möchten Sie einen Photo-Auftrag erstellen.
Aber er war noch viel besser. Er machte einfach den Rechner aus und schaltete ihn wieder an. Dann öffnete er auf heroische Weise das CD-Laufwerk und hielt die arme gefangene CD in seinen Händen. Er begrüßte sie mit den entsetzten und unverständigen Worten:
„Ist das etwa eine selbst gebrannte CD?“
„Ähm, …ja?!“
„Warum ist das denn keine von uns? Sie müssen Ihre CDs doch hier in die Phototaschen packen und nicht in den Computer.“
„?!?!?!…!!!“
Er hat es nicht begriffen. Er hat sein eigenes System nicht begriffen. Das Photosystem, für das er zuständig ist und bei dem er kompetente Hilfestellung geben sollte. Er wusste es einfach nicht. Ihm war nicht klar, dass man eine CD in den Rechner legen und dann die Bilder seiner Träume im gewünschten Wunschformat auswählen kann. Er glaubte, jeder Kunde müsse seine CD in eine Phototasche tun und dann wird sie im Photolabor entwickelt. Das mag ja vielleicht auch gehen, wenn man nur die gewünschten Bilder auf die CD gebrannt hat und dann auch noch alle in einem Format haben will. Aber wenn nicht? Wie funktioniert das dann, lieber Mann im kompetenten Berater-Outfit? Kann das Photolabor etwa meine Gedanken lesen und weiß genau, welches Bild ich wie oft und in welcher Größe haben will? Und parfümiert es sie am Ende gar mit dem Duft meiner hormonellen Phantasien oder einer vollreifen Mango? Ich meine, das wäre ja mal was.
Aber in der Welt des real-Mannes läuft das anders. CD in Phototasche, dann entwickelte Bilder bestaunen. Nachbestellungen und Vergrößerungen sind nur über die mitgelieferte Photo-CD möglich, die dann in seinen Augen auch die Berechtigung hat, den real-Photo-Rechner von innen zu sehen.
Aber guter Mann, wo leben wir denn? Auf jeden Fall nicht mehr im Zeitalter der kleinen schwarzen Filmdöschen. Er konnte nicht begreifen, dass es möglich ist, Bilder von der selbst gebrannten CD auszuwählen. Er konnte auch gar nicht begreifen, warum man so etwas auch überhaupt wollen könnte. CDs gehören in Phototaschen und sind quasi genau dasselbe wie ein altmodischer Film. Wahrscheinlich hat er bis heute noch kein einziges Photo mit seiner Digitalkamera machen können, weil er nicht weiß, wo er die CD einlegen soll.
Wie dämlich, wie abgrundtief dämlich. Ich habe ja nichts dagegen, wenn Leute nicht über die neuesten technischen Gegebenheiten Bescheid wissen, aber dann sollen sie bitte woanders arbeiten! Das geht doch nicht. Wofür wird der Mann denn bezahlt? Jedenfalls nicht für’s Ahnung haben. Ich kriege richtige Kaltschweiß-Ausbrüche, wenn ich daran denke, was der Mann im Angesicht eines USB-Sticks machen würde. Oder eines Memory Sticks.
Im Zweifelsfall (und das ist eigentlich eine gute Lebensweisheit für viele bedrohliche Situationen): Immer alles in die Phototasche stecken.



Legatus says:

Ich glaub ich hätt den erst sehr ungläubig angeschaut, und wäre anschließend den ganzen Tag hinter ihm hergelaufen um ihn auszulachen…da wäre mir dann meine Zeit egal gewesen…



Die Existenz says:

Ich musste mich leider gaaanz schnell von ihm entfernen, ich wäre sonst nicht mehr ganz Herr meiner Freundlichleit gewesen ;-)
Machen mich etwas aggressiv, solche Leute…



Leave a Reply


about

Skurriles von der B-Seite des Gehirns

pages
categories
calendar
Dezember 2006
M D M D F S S
« Nov   Jan »
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031
archive
Blogroll
et cetera