oder: Warum der richtige Moment nicht existiert
Ich betrachtete gerade beim Kaffee-affinen Frühstück den wunderbaren Film „Die Rotkäppchenverschwörung“, der, wie ich gerade bemerkte, erst heute Abend in die deutschen Kinos kommt. Nun ja.
Wirklich sehr erheiternd, sehr erheiternd. Aber auch durchaus philosophisch wertvoll, habe ich diesem durchaus gesellschaftskritischen animierten Streifen parodisierender Märchen-Kriminologie doch eine wunderbare neue Lebensweisheit abgewinnen können. Es ergab sich in jener Szene, in der der so lieblich trällernde Ziegenbock (gesungen von Jan Delay) mit Rotkäppchen (Sarah Kuttner-konnte ich beim besten Willen nicht raushören) in einem Minenwagen von einer Schneelawine verfolgt wird. Er sieht die doch recht bedrohliche Lawine und singt jenen Satz:
„Da kommt eine Lawine und ich fühl’ mich nicht bereit.“
Herrlich. Ich könnte den ganzen Film noch 1034mal ansehen, nur für diesen einen Satz. Beziehungsweise für den zweiten Hauptsatz, der sich in diesem zu einem ganzen Satz zusammengefassten zweiteiligen Satz bestehend aus zwei Hauptsätzen versteckt:
„…und ich fühl’ mich nicht bereit.“
Das sagt doch eigentlich alles. Ich weiß gar nicht, wie oft ich diesen Satz im täglichen Leben anwenden könnte? Eigentlich nahezu in jeder Situation.
„Da kommt die Telefonrechnung und ich fühl’ mich nicht bereit.“
„Da ist der Kaffee alle und ich fühl’ mich nicht bereit.“
„Da wache ich morgens auf und ich fühl’ mich nicht bereit.“
„Da beginne ich zu existieren und ich fühl’ mich nicht bereit.“
„Da kommt eine blutrünstige Mutation eines bengalischen extra für das Militär gezüchteten Kampftigers mit der festen Absicht, mir alles ungebundene Koffein aus den Adern zu saugen und mich danach mit einer Portion Basmatireis zum Tee zu verspeisen und ich fühl’ mich nicht bereit.“
Wunderbar.
Ich finde, dieser Film sollte in Zukunft jedem Philosophiebuch als kostenlose Beilage beiliegen, damit die Welt sich mal Gedanken darüber machen kann, dass sie sich dafür eigentlich gar nicht bereit fühlt.
Ich würde jetzt gerne eine schönen Schluss-Satz schreiben, aber ich fühl’ mich nicht bereit.
In diesem Sinne: Es lebe der passende Moment!
Sofern er sich denn dazu bereit fühlt, was wiederum die Frage aufwirft, ob er überhaupt existiert, der passende Moment…




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