Skurriles von der B-Seite des Gehirns











{Januar 04, 2007}   Von der Hitze der Vergänglichkeit

oder: Warum Tauchsieder die wahren Helden dieses Planeten sind

Mein Leben ist perfekt. Absolut perfekt, denn ich darf seit kurzer Zeit einen Nissan Stainless Thermos-Kaffeebecher mein Eigen nennen. Es eröffneten sich mir damit auf einmal ganz andere Dimensionen der modernen Lebensführung. Traumhaft, so traumhaft.
Und auch extrem erleichternd, brauche ich doch jetzt quasi keine Keramik-Kaffeetassen mehr. Obwohl ich einige der hierigen Modelle schon durchaus lieb gewonnen hatte…
Aber was soll’s, der Fortschritt hält Einzug in mein koffeinorientiertes Leben und gibt mir nun die Möglichkeit, meinen Kaffee mindestens drei Stunden in einer trinkbaren Temperatur mit mir rumzuschleppen. Das ist toll. Total unnötig, aber toll.
Immerhin bin ich jetzt nicht mehr gezwungen, meinen Kaffee innerhalb eines Zeitfensters von ungefähr 15 Minuten nach Austritt aus der bodum-Kanne trinken zu müssen, da er ansonsten in einen ziemlich ungenießbaren Temperaturbereich abgleitet. Nichts auf der Welt ist schlimmer als lauwarmer Kaffee. Allerhöchstens noch Kaffee, der aufgrund von lauwarmen Temperaturen sinnlos verschwendet wurde. Aber das sinnlose Kaffeeverschwenden, aufstehen und wieder neu kochen hat nun ein Ende.
Ich könnte sogar richtig mobil werden mit meinem neuen Becher. Ja, ich könnte ihn überall mit hinnehmen. Wir könnten die große weite Welt erkunden. Nur ich und der Kaffeebecher. Und immer wäre ein heißer Kaffee dampfend in meiner Nähe. Allerdings muss man sich auch erst an diesen temperierten Luxus gewöhnen, da man sonst dazu neigt, aufgrund alter Trinkgewohnheiten, einfach aus dem Becher zu trinken. Das geht natürlich nicht. Der erste Schluck will wohl durchdacht sein, möchte man nachher nicht eine eitrig aufgesprungene Oberlippe und einen verbrühten Mundinnenraum sein Eigen nennen. Aber der Becher hat an alles gedacht. Nicht umsonst hat er eine ca. drei Zentimeter hohe Randbegrenzung, an deren Grund das Kaffeeaustrittsloch sitzt. Öffnet man nun den Verschluss des Kaffeeaustrittsloches und neigt den Becher aus trinktechnischen Absichten in Richtung Waagerechte, so muss der heiße Kaffee erst besagte drei Zentimeter thermisch ungeschützten Luftraum durchqueren, bevor der die Konsumentenlippen erreicht. Wenn man den Becher sehr langsam kippt, hat man nicht nur ein verbrennungsfreies Gesicht und die Fähigkeit zum weiteren Leben, sondern auch für kurze Zeit das Gefühl in einer arabischen Kaffeedampfsauna zu sein. Denn der siedend heiße Dampf ist das Erste, das einen erreicht. Erst kurz danach zieht sich der obere Gaumenbereich krampfartig zusammen kurz bevor verbrannte Bröckchen auf die inzwischen taube Zunge rieseln. Aber der Kaffee ist heiß. Die erste halbe Stunde lang zwar ungenießbar, aber wen stört das schon solange er heiß ist.
Aus gesundheitlichen und privat nostalgischen Gründen werde ich in Zukunft aber wohl dazu über gehen, mir gleich zwei bodum-Kannen zu kochen und die eine in den Thermos-Becher zu tun, während die andere wieder einen fast schon vergessenen Keramik-Becher glücklich machen darf. Wenn ich dann die erste luftgekühlte Tasse Kaffee geschlürft habe, dürfte der Thermos-Kaffee eine Temperatur erreicht haben, die vielleicht nur ein leicht taubes Gefühl im Mundinnenraum zurück lässt.
Das Leben kann so schön sein.




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