Skurriles von der B-Seite des Gehirns











{Januar 22, 2007}   Von der Portionierbarkeit des Diätwahns

oder: Warum Müsli sicherlich in Äthiopien hergestellt wird

Tchibo macht jetzt Diät. Das hat Tchibo auch bitter nötig, nachdem es sich mit Unmengen an Weihnachtsbackförmchen und Zimtstreuern den blauen Magen verdorben hat. Darum geht Tchibo nämlich jetzt auch zu den Weight-Watchern. Und weil Tchibo die Weight-Watcher so schrecklich lieb hat und die Weight-Watcher dem lieben Tchibo bestimmt eine ganze Menge Geld versprochen haben, das zwar nicht unbedingt schlank, aber bedingt glücklich macht, ja, darum macht Tchibo jetzt Werbung für die Weight-Watcher und verkauft ganz tolle neue Produkte.
Ich frage mich auch wirklich, wie es die diätorientierte Kaffeewelt bislang ohne einen Apfelspalter und einen Müsliportionierer ausgehalten hat. Nochmal zum geistigen im Hirn zergehen lassen: Ein Apfelspalter und ein Müsliportionierer.
Der Apfelspalter ist doch auch tatsächlich in der Lage, Äpfel mundgerecht zu spalten. Das finde ich toll. Ganz toll. Musste die Welt doch bisher auch jedes Mal Höllenqualen erleiden, wenn sie dazu genötigt war, einen Apfel von seinem ungenießbaren Inneren zu befreien. Diese Qualen haben nun endlich ein Ende. Niemand muss mehr so armselig sein, und einen Apfel mit dem Messer in Stücke schneiden. Oder gar essen. Am Stück meine ich. Mit den eigenen Zähnen. Ich sehe aber auch sofort ein, das letztere Möglichkeit völlig veraltet, ineffizient und zudem noch logistisch total gefährlich ist. Nachher kommt noch eine zu große (weil handgeschnittene) Apfelspalte in den Weight-Watchers-Alternativ-Kuchen oder man überzieht sein Punktekonto über alle Maßen, indem man fälschlicher Weise einen Kern mit in seinen Speiseplan aufnimmt. Das geht natürlich nicht.
Genauso wenig geht es, dass man sich sein Müsli eigenhändig und -hirnig aus der Packung zum Verzehr abfüllt. Wo kommen wir denn da hin? Immerhin drucken die lieben Müslihersteller ja nicht umsonst diese putzige Portionsmengenangabe auf die Packung. 40 Gramm. Ich hab mich schon seit jeher gefragt, für wen oder was das eine ausreichende Portion sein soll. Aber gut. Dass das keiner maßgerecht abfüllen kann, ist ja klar. Und jetzt endlich muss niemand mehr leiden und seinen ganzen Wocheneinkauf völlig neu organisieren, weil die Müslipackung aufgrund falscher persönlicher Maßvorstellungen wieder einmal drei Tage vor dem nächsten Einkauf leer war und der heimliche Weight-Watchers-Spion einem schon mit der Verleihung der bleiernen Waage droht. Nein, die Industrie schafft Abhilfe vom menschlichen Leid. Einfach das Müsli in den Müsliportionierer füllen und einmal am Hebelchen drehen. Natürlich nicht vergessen, das Schüsselchen vorher drunter zu stellen. Aber das steht bestimmt im Bedienungsanleitungchen. Wie die Viecher in der Mast am Futterautomaten. Fehlt nur noch die Ohrmarke.
Viel witziger wäre doch ein großes mitgeliefertes Vorhängeschloss am Müsliportionierer, damit der gängige Hausfrauengierschlund auch wirklich nur einmal täglich an sein Müsli ran kommt. Oder so ein kleiner Zeitzünder. Oder noch schöner: Einen Automaten, der einfach das Essen für einen übernimmt. Das wär’s doch. Exclusiv nur bei Tchibo: Der Nahrungsverzehrer. Wahlweise in beige oder blau-metallic. Verzehrt alle anfallenden Nahrungsmittel ohne dass man selber dabei auch nur ein Gramm zunimmt. Das würde mir gefallen. So sieht die Zukunft aus. Das Schönste daran wäre aber, dass es dann bei Tchibo wieder hauptsächlich das Wesentliche zu kaufen gäbe. Nämlich Kaffee. In diesem Sinne. Guten Appetit!



iKA says:

Wie, Tchibo verkauft auch Kaffee? ;)

BTW. ich habe die so sinnige Fettreduzierkanne vermisst. Auch so ein tolles neues Küchenzubehör und ein Muss für die kalorienbewusste Hausfrau, die nicht in der Lage ist, diese Aufgabe mit einer Schöpfkelle zu meistern …



Kristof says:

Wie? Es gibt noch Menschen, die ihre Nahrung oral zu sich nehmen? Dabei ist diese intravenöse Ernährung doch um so vieles effektiver! Zum Erfreuen der Sinne (resp. zum Reizen der Geschmacks- und Geruchsnerven) gibt es doch diese wunderbaren Geschmackskapseln.



Die Existenz says:

@ ika: Fettreduzierkanne klingt wunderbar. Endlich muss man nicht mehr drauf achten, fettarm zu kochen. Schön, womit man sich so alles ein reines Gewissen kaufen kann…

@ Kristof: Ich finde auch, die orale Nahrungsaufnahme wird total überbewertet. Und außerdem ist das ja auch so verdammt zeitraubend. Es bleibt ja gar keine Zeit mehr zum Kaffee kochen, wenn man zwischendurch auch noch essen soll. Es sollten idealer Weise einfach noch mehr Geschmackszusätze für Kaffee kreiert werden, dann wäre das Leben perfekt… ;-)



Eileen says:

Tja… Nonsens oder nicht - der Tschibo-Apfelspalter für sagenhaft günstige 4,99 Eur und der Tschibo-Körperfett-Rechner sind schon jetzt vergriffen! Wessen Apfelverzehr hat signifikant zugenommen und wer von euch kennt seinen genauen Körperfettanteil?!? Aufzeigen und gestehen!!!! Denn wir wissen ja - die größten Kritiker sind die heimlich(st)en Fans ;-)



Legatus says:

Hach, die Welt der Diäten. Herrlich welch imposante Auswüchse der menschliche Geist zustande bringt. Apfelspalter, Müsliportionierer. Wo wären wir ohne den Erfindungsgeist der leidenen (weil angeblich zu dicken) Bevölkerung. Du siehst das alles von der völlig falschen Warte aus. Diese Tools (neudeutsch) sind alles andere als unsinnig. Sie zeigen den Geist des Erfindertums und der Schaffeskraft für neues. Sie sind das Symbol des Aufbruchs in eine dünnere Zukunft wo die glücklichen Frauen durch Gullideckel rutschen und von den glücklichen Männern auf weißen Schimmeln gerettet werden. Wenn dann dies glückliche Paar auf ihre Papierflieger steigt, um sich zum Gasthaus auf dem Mond zu katapultieren, werden der Apfelschneider in der Space-Variante und der Müsliportionierer mitreisen um beim gemeinsamen intravenösen Mahl im angesagtesten Blutanreicherungsrestaurant mit auf dem Tisch zu stehen und an die guten Anfänge der Bewegung “Leicht wie eine Feder” zu erinnern. Oder so.



Die Existenz says:

@ legatus: “Oder so” triffts ganz gut…! ;-)

@ Eileen: Ich muss wirklich gestehen, im Badezimmer eine Waage mit eingebauter Körperfettmessfunktion stehen zu haben *hüstel*.
Aber die is’ nicht von Tchibo! ;-)



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