oder: Warum die Evolution erst im Geiste beginnt
Wann ist wohl der günstigste Augenblick für eine altersschwache suicidale Autoschlüsselbatterie ihren Dienst zu quittieren? Richtig. Heute.
Beziehungsweise an einem Heute, das sich maßgeblich dadurch auszeichnet, dass draußen eine Witterung herrscht, die öfters dazu neigt, Türschlösser von armen kleinen Autos einzufrieren. Ich stehe da also auf einem öffentlichen Parkplatz wild auf einem Autoschlüssel herumdrückend neben einem Auto, das auf den ersten Blick nicht unbedingt meins sein müsste. Jeder Gedanke an den eventuell gewinnbringenden Einsatz von Türschloßenteiser ist innerhalb dieser leidenden Erzählung übrigens total hinfällig, da ich das Türschloss in den ganzen 150.000 (geschätzten) Kilometern meines Vehikels nicht einmal benutzt habe. Hatte ja einen Fernbedienungsschlüssel. Es ist diesbezüglich auch sowieso schon verwunderlich, dass sich sämtliche Türschlösser zwecks totaler Unnutzung nicht einfach schon wegevolutioniert haben. So ein Dasein als rein dekoratives Element halte ich eh nicht für erstrebenswert, aber das müssen die kleinen Biester ja selber wissen.
Ich stehe also da und versuche, mein Auto aufzuknipsen. Auf einem Parkplatz mit öffentlichem Menschenverkehr wirkte das wohl etwas befremdlich, so dass mich der ein oder andere irritierte Blick traf. Zumal ich mich nach einer gewissen verstrichenen Zeit auch recht lässig schräg an mein(!) Auto lehnte, um das leidige Knipsen mit bequemerer Stoischkeit fortsetzen zu können.
Ich hätte mir ja mal ein paar kluge Ratschläge erwartet. Oder Fragen. So nach dem Motto: Ist Ihr Wagen kaputt? oder Na, klappt wohl nicht, hmm? Was richtig hilfreich Intelligentes eben, das einem den wahren Geist des menschlichen Seins an diesem schönen beschissenen Morgen ohne bisherigen Kaffee noch einmal deutlich vor Augen führt. Niemand wollte mir was sagen. Trauer machte sich in mir breit. Tiefe Trauer.
Wahrscheinlich haben die alle gedacht, ich mache irgendwelche therapeutischen Fingerüben zu Zwecken der geistig medialen Selbstfindung. Warum hat mir dann aber niemand ein Lavendelduftbäumchen ans frierende Ohr gehängt? Fragen über Fragen.
Naja, was ich eigentlich sagen wollte war, dass es das Leben doch manchmal gut mit einem meint und die eigene, manchmal nicht ganz situationsorientierte, Intelligenz für die Außenwelt gut dastehen lässt. Hätte mich nämlich jemand gefragt, warum ich den Wagen denn nicht einfach mit dem Schlüssel aufschließe, anstatt mehrere Minuten völlig dämlich daneben zu knipsen, hätte ich nämlich sagen können: „Ha, ha, lieber besser wissender Besserwisser. Die Schlösser sind vereist.“
Die Quintessenz des Seins ist also, dass mein Auto mich absolut nicht leiden kann, aber nicht den Mut hat, das bei 30°C zum Ausdruck zu bringen. Denn dann könnte ich immer noch durch das Faltdach einsteigen. Wer braucht schon Türen…




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