Skurriles von der B-Seite des Gehirns











{Januar 28, 2007}   Sonntags-Dialog, Volume 8

Die Zeit vs. die Sojabohne

Die Zeit und die Sojabohne sitzen gemütlich in einem blubbernden Schlammbad. Eine japanische Geisha massiert der Zeit sanft den Nacken während die Sojabohne mit einem ortsansässigen Rasenmäher anbändelt. Etwas Salamiaroma liegt in der Luft.

Die Zeit: „Hättest Du gedacht, dass ich von Weintrauben kleine Pusteln auf der Haut kriege?“

Die Sojabohne: „Mir war gar nicht bewusst, dass Du überhaupt eine Haut hast.“

Die Zeit: „Eben. Das ist ja das Problem.“

Die Sojabohne: „Kleine Pusteln auf der Haut ohne eine Haut?“

Die Zeit: „Nein, kleine Pusteln auf der Haut ohne eine Haut.“

Die Sojabohne: „Ach so.“

Die Zeit verschwindet in einer Seifenblase aus Lavendelduft, aus der sie regelmäßig gelbe Ansichtskarten verschickt. Die Sojabohne fällt unvermittelt in einen Wok und erliegt kurze Zeit später ihren Verletzungen. Ein kleines Häschen lacht leise.



Kristof says:

Welch grausamer Dialog, hat doch die Sojabohne den Tod gefunden, während der Hase sich das Lachen nicht verkneifen konnte. Es müsste zwar eigentlich in meinem Sinne sein, dass nicht das Häschen im Wok landete und stattdessen die Sojabohne ihren Weg dorthin fand, doch tendiere ich dazu, mich mit Minderheiten und Schwächeren zu solidarisieren; und der Hase ist hier eindeutig das stärkste Glied in der Kette, wenn man die Zeit außen vor lässt.



Die Existenz says:

Wenn nicht sogar der Hase noch über einfach allem steht. Man erinnere sich nur an die sache mit Douglas Adams und den Mäusen. Eventuell stellt der Hase die personifizierte und darum dramatisch vereinfachte Form des Seins da, weshalb es einfach in jedem Supermarkt Möhren zu kaufen gibt. Sogar in Gläschen.
Die arme Zeit wäre dann trotz vorhandener Fruchtsäureallergie nur ein primitiver Spielball des lachendes Häschens…



Logorrhoe says:

Jaja…der Hase an sich ist ein Schwein!Quasi ein Wolf im Schafspelz.
Cuniculus Homini Lupus!



Die Existenz says:

Der Hase als Personifizierung der hinterhältigen Allgegenwärtigkeit des ewig lauernden Schlechten. Gefällt mir…



Logorrhoe says:

Man könnte den Hasen an sich auch als Euphemistische Metapher des Durchschnittsmenschen betrachten, der nur die Fassade eines liebevollen ungefährlichen Wesens darstellt.Schon die Beobachtung, dass der Hase nicht nur einfach lacht,sondern auch noch leise, also hinterhältig, hämisch und feige, verstärkt mich in dieser traurigen Grundeinstellung!

Frohe Ostern!



Logorrhoe says:

Vielleicht ist der Hase ja auch die materialisierte Form des kognitiven Kollektivbewusstseins und projiziert die subliminalen und spontanen Charakterzüge des Betrachters…….
Fragen über Fragen



Die Existenz says:

Ja, liegt das wahre Elend dieser globalen Existenz doch tief in der durchschnittlichen Normalität versteckt, die um so normaler und aggressiver wird, je stärker man sie betrachtet. Ähnlich dieser primitiv colorierten Fraktal-Poster, die in normalen Durchschnittskaufhäusern durchschnittlichen Normalindividuen zur fraglichen Schmückung ihrer entcharakterisierten Massenbehausungen dienen und dabei sicherlich nach Salbei und Medium-Senf riechen. Das Normale als Wurzel allen Übels, als metaphorische Quelle der geistigen Unterwanderung und Stammzellenvernichtung.

Wenn der Hase nun der kollektiven Massenpsycholgie speziell im Einzelfall zugetan ist und sich bei Vera am Mittag als darstellender Charakterzug seines Momentanbetrachters darstellt, stellt sich allerdings die Frage, ob der Autor den Text schreibt oder der Text den Autor?



Logorrhoe says:

Zum stillen Protest werde ich heute Mittag ein solches Geschöpf(Hase) mit steigender Wollust verspeiseN!



Die Existenz says:

Ich wünsche mental, olfaktorisch sowie geschmacklich einen guten Appetit gehabt zu haben!



Logorrhoe says:

Du Armer!



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