Skurriles von der B-Seite des Gehirns











{Februar 02, 2007}   Von der Machbarkeit des nicht Machbaren

oder: Warum Zebras lieber Tupfen haben sollten

So, da hat es gestern doch mal gekracht in meinem ach so geliebten Heimatstädtchen. Auf der Straße. Erwischt hat es einen silbernen E-Klasse Mercedes hinten links an seiner sonst so glänzenden Außenhülle. Ideell schlimmer getroffen hat auf jeden Fall den kleinen rostblauen Fiesta, der irgendwie ziemlich geknickt auf dem Bürgersteig rum stand. Sicherlich hätte er sich ein wenig mentalen Zuspruch und einen neuen Wunderbaum Duftrichtung Lavendel-Vanille-Amarena-Kirsch zum Spontantrost gewünscht, aber alle Welt lungerte um den dicken fetten Mercedes herum.
Naja, eigentlich interessant ist auch nur der Unfallort. Es handelt sich hierbei nämlich um eine stadtplanerisch und verkehrsführungstechnisch ideal konzipierte Straße. DIE Straße quasi, um mal in aussagekräftigen Großbuchstaben zu schreiben, was sowieso viel öfter geschehen sollte, aber leider nicht geschehen wird, da das Monopol der Kleinbuchstaben einfach zu mächtig ist und Worten, die nur aus Großbuchstaben bestehen, sofort mit den gemeinsten Folterqualen droht. Aber zurück zur Straße. Eine Straße, die zu Zeiten des Berufsverkehrs von oben betrachtet einfach nur eine langsam kriechende blecherne Masse ist. Das Tolle an der Straße ist übrigens, dass sie einen Bahnübergang, einen Mc Donald’s, eine Kneipe, einen Aldi, eine Tankstelle und einen Autoersatzteilmarkt hat. Das alles auf ungefähr 100 Metern. Und das alles mit nur einer Spur pro Fahrtrichtung, was, wie man sich denken kann, zu absolut liebreizenden Verkehrsszenarien führt, wenn der Vordermann wegen der Billig-Feinripp-Leder-Strings im 11er-Pack zu Aldi abbiegen will, aber leider erst mal den gesamten Gegenverkehr durchlassen muss, der sich aufgrund von zeitlich völlig unpassend geschlossenen Bahnschranken bis zur nächsten Kreuzung angestaut hat und nun stoisch brummend seines vorfahrtsberechtigten Weges rollt. Der genervte Autofahrer neigt dann bei Zeiten dazu, sich an so einem armen abbiegewilligen Irren an der Seite vorbei zu quetschen. Das geht solange gut, bis der dicke Mercedes eben mal den kleinen Fiesta übersieht. Und das, obwohl die Stadt doch schon Maßnahmen zur Verhinderung solcher Primitivdesaster getroffen hat. Wenn man schon keine zwei Spuren zur Verfügung hat, dann tut man doch wenigstens so. Und darum kam ein schlaues Bürohirn wohl auf die großartige Idee, einfach mal ein paar Abbiegepfeile auf die Straße zu malen. Jetzt tummeln sich auf diesen gefühlten fünf Kilometern ungefähr drei hübsche Abbiegepfeile auf dem gequälten Teer. Daneben jeweils ein Pfeil für die Geradeausfahrer. Aber breiter macht das die Straße ja nun leider auch nicht. Was soll denn das? Habe ich da wieder die wahre Brillanz der Sache nicht verstanden? Wahrscheinlich.
Verkehrsberuhigend ist es auf jeden Fall nicht, fühlen sich die dämlichen Autofahrer in ihren miesen Überhol-Kriechmanövern jetzt nur noch mehr bestärkt. Schließlich hat man ja seine eigene Spur um an den total verhaltensgestörten Abbiegern vorbei zu fahren. Dass jene Spur im Bestfall gerade mal einen Meter breit ist, macht ja nichts. Hauptsache man tut, was der Pfeil einem sagt. Schließlich ist man ja ein ordentlicher Bürger mit dem Recht auf uneingeschränkte Straßennutzung.
Für einen absoluten Quantensprung in Sachen Spaßbewältigung würde nur noch ein Zebrastreifen sorgen, der direkt quer über die 4(!)-spurige Straße vom Mc Donald’s zur Bushaltestelle führt.
Dann wäre es wenigstens endlich Zeit, mal wieder ein wenig nicht vorhandenes Geld auszugeben um eine Unterführung zu bauen, die alle Welt an der schlimmen Straße vorbei geleitet. Die nächste Parallelstraße zu nehmen kommt ja schließlich nicht in Frage, selbst wenn diese immer frei ist. Dauer ja viel zu lange dieser Umweg. Es lebe der deutsche Feingeist.




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