oder: Warum Quark eine echte Alternative zum Leben ist
Immer diese Verklausulierungen in der Werbung. Activia regelt ihre Verdauung auf natürlichem Wege. Aha, danke. Aber wie denn auch sonst? Ich dachte eigentlich nicht, dass bei jedem 14-Tage-Joghurt-Paket ein gratis Schlauchset zur porentiefen Reinigung des Enddarms dabei ist. Jedenfalls ist es mir bisher noch nicht aufgefallen. Vielleicht irgendwo unter dem gratis Schrittzähler oder dem gratis Kiwi-Löffel versteckt. Man weiß es nicht.
Besser aber noch: Activia bringt ihre Verdauung in Schwung. Eine schöne werbetechnisch einwandfrei verschlüsselte Form des Satzes: Activia lässt Sie richtig gut scheißen. Wie schön. Das ist ja auch genau das, was ich mir von einem Joghurt erwarte. Scheiß doch auf Vanillegeschmack, 0,001 % Fettgehalt und Spekulazius-Aroma zur Osterzeit. Endlich kann sich die Welt mal ordentlich auf’s Klo setzen.
Ich finde diese ganzen Werbespots sowieso besorgniserregend krankhaft. Auf der einen Seite wird das unbedingte Haben eines makellosen Körpers ohne jegliche Triglyceridablagerung beworben, während auf der anderen Seite irgend so ein fetter ZDF-Schauspieler freudig schwabbelnd die neue C&A-Oversized-Collection bewirbt. Was soll denn das? Kann sich der heutige Zeitgeist vielleicht mal entscheiden, was er nun lieber hätte? Die klapperdünne Konsumverweigerung oder die verfettete Gleichgültigkeit? Einen (gesunden…) Mittelweg scheint es nicht zu geben.
Nicht umsonst hängt hier im heimischen Sonderpostenmarkt (hmmm, was macht sie denn da…?) über den 9,99-Euro-Trendhosen eine aufblasbare Plastikpuppe unbeschreiblichen Ausmaßes. Ich dachte zuerst an eine Kampagne für extreme Stretch-Hosen oder neuartige Magenwandimplantate, die durch ein enormes Dehnungsvermögen bestechen, aber nein. Es handelte sich um die unübersehbare Demonstration der größtmöglichen Hosengröße, die jener Markt zu bieten hatte. Und die Hose war groß, erschreckend groß. So groß, dass einem sämtliches Gefühl für physiologische Proportionen sofort unwiederbringlich abhanden kommt. Man sah nur noch Masse. Jeansartige Masse. Eine einzige jeansartige Masse, die man mit viel gutem Willen als alles erkennen konnte, nur nicht als Hose. Naja, vielleicht noch, wenn man sie andersherum aufgehangen hätte. Die Hose hätte dann zwar einen sagen wir mal extremen Schlag gehabt, aber sind die 70er nicht letztendlich immer modern…?
Aber mal ehrlich. Warum muss alles immer gleich ins Extreme gehen. Man muss nicht hungern wie ein äthiopisches Steppengnu, aber man muss sich auch nicht den Tod auf Raten anfressen. Ein bisschen Speck zuviel auf den Rippen ist ja noch in Ordnung, aber muss es gleich immer die totale Maßlosigkeit sein? Wenn 16-jährige Teenies in komischen Pro7-Dokus pro Tag 7,5 Liter purste Cola in sich reinschütten und zwei Pizzen pro Mahlzeit als durchaus tolerabel bezeichnen, dann ist wohl irgendwas nicht ganz in Ordnung.
An dieser Stelle also mal ein kleiner Aufruf meinerseits an die fressende Welt da draußen: Liebe Kinder und andere Nahrungsidioten, man muss nicht alles oral einführen, was einen lieblich säuselnd dazu auffordert. So ein 200er-Pack King Size Snickers ist auch einfach mal hübsch anzugucken. Macht sich dekorativ wunderbar neben den nicht verwesenden 99er-Burger King Burgern und dem altersschwachen Joghurtrest im Zwangspelz. Wirklich. Weniger ist halt manchmal eben nicht mehr, sondern am Ende doch weniger. Vor allem auf den Hüften.
Sonst muss am Ende doch noch der Joghurt activia werden, und dass kann ja niemand wollen…



