Skurriles von der B-Seite des Gehirns











{März 13, 2007}   Von der Beschaffenheit des Rudimentären

oder: Warum Vollkornbrötchen einfach nicht gut für uns sind

Warum müssen Babys immer so unverschämt viel essen? Ehrlich, ich finde, wenn man mal genau drauf achtet, ist es ein Phänomen. Das gemeine Baby ansich ist seltenst ohne irgendeine Form der durchgesabberten Nahrung anzutreffen. Sei es im Aldi-Einkaufswagen, beim frühkindlichen Kamelreiten im pädagogisch wertvollen Safari-Park oder einfach nur als Beisitzer an Mamas Frühstückstisch. Immer klebt da irgendwie Nahrung in Babys kleiner Hand. Bevorzugt handelt es sich dabei um fragwürdige Weißmehlbrötchen oder dicke Wiener Würstchen frisch von Schlachter Karls Wursttheke. Mein Gott, wo lassen die kleinen Schreiklumpen das denn bloß? Jetzt nicht im örtlichen Sinne, denn auf diese Frage lautet die Antwort immer(!) Fußboden, nein, ich meine im metabolischen Sinne. Wenn ich jeden Tag so ein appetitliches Weißmehl-Wurstbrötchen verspeisen würde…
Ich hatte erst wieder kürzlich in einem, nennen wir es mal Kasseler Szene-Cafe, das fragliche Vergnügen, Babys Essgewohnheiten näher analysieren zu dürfen. Da saß er. Klein und niedlich in so einem höher gelegten Babystuhl aus chemisch behandelten Holz und guckte verhältnismäßig gelangweilt in die Gegend, während Mama sich angeregt mit ihren Szene-Freundinnen über den neuesten light-Käse und dessen Verhältnis zu kalorienreduzierter Butter unterhielt. Das Baby als dekoratives Beiwerk quasi. Damit der kleine Sabberfabrikant sich nicht ungesehen verflüchtigen konnte, war er natürlich festgeschnallt in seinem Hochsitz. Ich denke, genau so beginnen Erfolg versprechende Pilotenlaufbahnen. Es ist dabei nur peinlichst genau darauf zu achten, den Hochsitz nicht zu Fall zu bringen und somit ein frühkindliches Trauma zu prägen, das gängigen Mallorca-Pauschal-Touristen den Urlaub noch mehr vermiesen könnte als die abgelaufene Mayonnaise am Abend-Buffet. Aber nun gut.
Es dauerte nicht lange, da streckten sich die kleinen Patschegriffel nach der ersten Nahrung aus. Jedenfalls so etwas in der Art. Babys erstes Geschmackserlebnis an jenem Vormittag war ein Löffelchen von Muttis Latte Macchiato Milchschaum. Das war meiner Ansicht nach Babys erste Konfrontation mit der totalen Sinnlosigkeit. Um diese zu übertönen, öffnete sich unmittelbar nach der Koffeinverköstigung ein eigens mitgebrachtes Tupperdöschen. In mintgrün. Mit kleinen Keksen gefüllt. Vermutlich diese kleinen Zoo-Markenkekse von Bahlsen. Nachdem Baby genüsslich den ein oder anderen Weißmehl-Zucker-Fett-Brocken verspeist hatte, kamen wir endlich zum Highlight des Vormittags. Und somit zu der Bestätigung meiner persönlichen Theorie die besagt, dass Weißmehlbrötchen ein physiologischer Bestandteil des frühmenschlichen Körpers sind. Leider kam es in der späten Steinzeit aufgrund einer körperlichen Mutation zur Abspaltung des Weißmehlbrötchens von der rechten Hand des Urmenschen, weswegen wir uns heute in unserer postnatalen Erstlingsphase so ungemein zu diesen Dingern hingezogen fühlen. Man sagt, wir fühlen sogar immer noch den mentalen Schmerz, den uns dieser schreckliche körperliche Verlust damals zugeführt hat. Und genau das ist der Grund, warum einem Babys sogar heute noch ihre durchgesabberten Weißmehlbrötchen freudestrahlend entgegenstrecken. Sie wollen teilen. Der frühe Mensch ist eben im Grund doch noch rein und unverdorben. Wie herrlich.
So streckte Baby also nicht nur Mama seinen kontaminierten Sabberbrocken entgegen, sondern auch meinem edlen Hund, der schon seit Äonen von Zeiten auf genau diese Chance gewartet hatte. Vorsorglich hatte er seinen metabolisch hoch aktiven Körper schon mal strategisch günstig neben Babys Hochsitz platziert und so war es natürlich nur noch eine Frage der Zeit bis Baby entschied, dass sein Greifreflex noch nicht so ausgeprägt ist, wie er es später sein sollte, wenn ihm jemand ein Bündel duftender 1000-Euro-Scheine entgegenstreckt.
Das Brötchen fiel runter, mein Hund war glücklich, das Baby gluckste und zeigte Mama sein Meisterwerk. Die war natürlich ganz und gar nicht begeistert und verbot ihrem Jüngling sogleich jegliches Ausstrecken der linken Hand in Richtung des schmatzenden Hundes. Der schnappe sonst zu. Ja, ja, wo sie recht hat. Unterschätze nie einen Weißmehl konsumierenden Hund vor elf Uhr morgens. Da kann man nie wissen…
Was Baby an diesem Tag gelernt hat, ist auf jeden Fall die folgende große Lebensweisheit: Verliere nie dein Weißmehlbrötchen, denn es gibt immer eine sabbernde Schnauze, die es verspeist.
In diesem Sinne: Gesegnet sei das Weißmehl-Baby.



ela says:

Welcher kluge Hund schnappt denn zu wenn kein Brötchen mehr da ist? Die Mutti meint auch Hunde sind doof :-)



Legatus says:

Hach, die kleinen Wonneproppen. Schokoladenverschmierte Gesichter die strahlend lächeln, bis dann die Zucker- oder Nahrungszufuhr durch mangelnde Ressourcen versagt. Dann verzieht sich das Gesicht zu der von allen Menschen gefürchteten Alarmvisage und es erklingt dieser 110 dB starke Ton der selbst gestandene Männer erbleichen lässt und Mütter sofort in den “Oh mein Gott das arme Kind”-Modus versetzt. Aber besser noch sind die schon etwas älteren Exemplare die es gelernt haben diesen Ton bevorzugt in Supermärkten vor der Kasse einzusetzen um den armen Eltern noch ein Riegel Kinderschokolade aus dem Greifregal neben der Kasse abzupressen. Gelobt sei die Jugend.



Die Existenz says:

Nur 110 dB?? ;-)



Legatus says:

Ok ok…Spitzenmodelle kommen auch locker auf 150 dB. Die werden dann später mal Anheizer in der Dorfdisco oder so…



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