Skurriles von der B-Seite des Gehirns











{März 15, 2007}   Vom Herdentrieb des Schwedentieres

oder: Drängelst du noch oder isst du schon?

Schon mal jemand bei IKEA gefrühstückt? Gleich morgens früh um 9 Uhr noch bevor man durch die heiligen Hallen der Pressholz lastigen Schwedenmöbel schlendern darf?
Das blau-gelbe Möbelhaus lockt den frühstückswütigen Morgenmuffel mit einem Preis von 1,50 Euro für ein kleines Frühstück. Das ist natürlich spottbillig, aber völlig egal. Das einzig wichtige dabei ist, dass man sich den Kaffee endlos lange nachfüllen darf. Und das gilt sogar für diese perversen Kaffeederivate mit Schaumkrone und italienisch angelehntem Eigennamen. Man kann sich bei IKEA also für 1,50 Euro ins koffeinogene Frühkoma saufen. Herrlich. Das restliche Frühstück ist ansonsten auch prinzipiell nicht soo der Bringer. Es gibt zwar zwei Varianten für Vegetarier (zwei Scheiben Käse) und aggresive Fleischfresser (einmal Käse, einmal Lachs), aber da das Ganze im Erwerb zweier Weißmehlbrötchen gipfelt, ist das Gesamtbild natürlich eher fraglich. Das interessiert die normale Menschheit aber herzlich wenig, denn bereits um 8.47 Uhr tummeln sich Massen wilder Billigfrühstückfanatiker vor der drehbaren Eingangsglastür, um bei todesmutiger Öffnung eben jener wie eine Horde wilder Steppengnus dem Weißmehlduft entgegen zu strömen. Nichts kann sie aufhalten, noch nicht einmal eine massive Regalwand Gorm oder das österliche Deko-Kissen für 99 Cent in orange, gelb und limettengrün (ich hab’s in orange und gelb…).
Im Restaurant angekommen beginnt es dann erst richtig interessant zu werden. Die Vermutung liegt sofort nahe. Die ganze Sache mit dem Frühstück ist eine bloße Tarnung. In Wirklichkeit ist das IKEA-Frühstücksbuffet nämlich ein geheimes Übungslager für Teneriffa-Cluburlauber und H&M-Schlussverkauf-Shopper. In beiden Fällen kommt es nicht auf die Sache an sich an, sondern lediglich auf die Geschwindigkeit, mit der man sie ausführt und natürlich auf den Fakt, dass man es vor allen anderen tut. Das IKEA-Pulk walzte also den Tischen entgegen und hier trennte sich nun die Spreu vom Weizen. Der Latte Macchiato vom Filterkaffee quasi. Während der eine Teil der unterzuckerten Irren sofort zur Essensausgabe stürmte um den Teller mit der am wenigsten verwelkten Salatbeilage zu erhaschen, machte sich der andere Teil strategisch über die sich darbietenden Tische her. Von Vorteil ist es natürlich, wenn man in einer Gruppe auftritt und sich somit organisieren kann. Meiner Meinung nach ist der effektivste Weg, die Schnelleren zu den Tischen vorzuschicken, während die eher durchsetzungskräftigen Zeitgenossen sich direkt mit einem Tablett bewaffnen sollten. Eine beliebte Variante ist dabei die sogenannte Mallorca-Taktik, bei der die eine Person den Tisch der eigenen Wahl mit den extra dafür nicht im Auto gelassenen Jacken ausstaffiert, um sich kurz danach in der Schlange bis zum Tablett des Frühstücksgenossen durchzukämpfen, der es in einer schier unnachahmlichen logistischen Meisterleistung fertig gebracht hat, zwei völlig unförmige Teller auf einem kippeligen Plastiktablett nicht direkt in die Extra-Marmelade neben den Aufback-Croissants fallen zu lassen und dafür einen vernichtenden Blick der totalen Missachtung von der studentischen Küchenaushilfskraft zu erhaschen, die schon zum dritten Mal durch ihre Lateinprüfung gefallen ist.
Den sicheren Sitzplatz im Hinterkopf kann man sich dann aber ungetrübt der Auswahl der Frühstücksaccessoires widmen, die das einst so kostengünstige Frühstück mal locker in den 5-Euro-Bereich hochschnellen lassen. Die Schuld trägt hierbei eindeutig der völlig unschwedische Mousse-au-chocolat-Becher. Miststück.
Aber wie gesagt, darum geht es nicht. Es ist der Event, der zählt. Und der Kaffee. Und mit viel gutem Willen und der richtigen Definition, kann man jenes Geschehnis auch als tiefenpsychologische Feldstudie durchgehen lassen, die ich jedem Kaffeesüchtigen nur wärmstens ans gestresste Herz legen möchte. Ähnlich wie Das Experiment mit Moritz Bleibtreu, nur ohne Moritz Bleibtreu. Wie bedauerlich…




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