oder: Warum die Evolution mal wieder hinterher hinkt
Verdammte scheiße, warum muss man sich inzwischen eigentlich überall für jeden erdenklichen Mist irgendwo einloggen? Einloggen. Was ist das überhaupt für ein Wort? Wieder mal eins von der speziellen Sorte persönlicher Wortfreunde, die ich den ganzen Tag lang nicht leiden kann. Warum muss man Sprachen denn nun unbedingt mischen? Ist es denn nicht ausreichend, dass die Menschheit Ki und Ba zusammengebracht hat? Muss man das jetzt auch noch mit Verben verschiedener Sprachen tun? Wenn man wenigstens das Verb inloggen benutzen würde, aber nein. Tut ja wieder keiner. Klingt auch wirklich verdammt scheiße. So nach ganz miesem nicht lokalisierbarem Niederdeutsch-Trampelwald-Dialekt für sprachlich Minderbegabte. Und beim Nomen dann das ganze Spiel einmal umgedreht. Da redet dann wieder jeder vom log-in. Log-ein will keiner hören. Wo bleibt denn die sprachliche Konsequenz wenn man sie mal braucht? Wieder mal in Ruhe angeln gegangen, die dumme Sau!
Mein wunderbares Übersetzungsprogramm hat mir das schöne englische Verb to log in übrigens gerade ins Deutsche übersetzt: einloggen. Einloggen sagt das dämliche Ding. Na danke schön. Da erklärt sich natürlich gleich alles von selbst. Die Quantenphysik, das Universum an sich und die Existenz von Spreewaldgurken außerhalb eines Saumagens im Zillertal zur Mittagszeit. Einfach alles.
Ich will das nicht. Ich will nicht jedes Mal, wenn ich im verdammten Zwischennetz die neuesten sozialen Modeerscheinungen betrachten möchte erstmal so ein nerviges Hallo-wer-bist-denn-du-fremder-Neuling-Prozedere über mich und meine arme Tastatur ergehen lassen. Was soll denn das? Datenbeschaffung? Das können die auch leichter haben. Ich lege mir gerne ein paar frei verfügbare Scheinexistenzen zu und papp mir die in Spiegelschrift auf die linke Arschbacke, wenn ich nur beim nächsten Online-Sockenkauf nicht nach meinem membername gefragt werde. Was soll denn das? Und warum nennt sich jeder Depp dabei so komplett anders? Warum muss ich mich denn zwingend in astrolover54,87+superschwanz umbennen, wenn ich in Wirklichkeit doch nur Felix Müller heiße? Das interessiert doch eh keinen. Da kann man doch seinen normalen Namen verwenden oder jedenfalls irgendetwas ähnliches. Klanglich gesehen.
Ich bin ja nur froh, dass dieser dämliche In-Log-Wahnsinn sich bisher nur auf die Datenwelt beschränkt und noch nicht bis zu der Bäckereifachverkäuferin meines Vertrauens vorgedrungen ist. Ich könnte glaube ich für nichts garantieren, wenn ich früh morgens ohne nennenswerten Restkaffee im Blut vor der Aushändigung meines essentiellen Franzbrötchens nach den Zugangsdaten für meinen Bäcker-Account gefragt würde.
Username: Backwerk des Zornes
Passwort: Killerbrötchen
Widerlich. Ich sehe es schon vor mir. Kein Gouda an der Käsetheke ohne vorheriges ausloggen (out-log!) aus dem Tiefkühlpizzabereich. Zugriff verweigert. Account gesperrt. Der Benutzer wird gebeten sich umgehendst ein neues Passwort bei seinem zuständigen Sozialarbeiter abzuholen oder auf das trockene Knäckebrot im Gästebereich auszuweichen. Ahhh…!
Am Ende fragt mich noch mein eigener Körper nach seinen Zugangsdaten. Das orale Aufnehmen eines simplen 2kg-Zitronenkuchens kann da schon eine kompliziertere Datenorgie werden. Alles will eingeloggt werden beziehungsweise sein. Kaffeepulver, Zahnpastatube, Tomatensoße auf Jogginghose, einfach alles. Vielleicht sollte man zusätzlich zum genetischen Fingerabdruck auch noch den genetischen Dauer Log-In erfinden. Das wäre doch mal was für die nächste Diplomarbeit in angewandter Biochemie. Ein neues Gen, das es uns ermöglicht, sich automatisch in jede erdenkliche Lebenslage einzuloggen. So eine Art Lebens-Flatrate. Im Kombi-Paket mit der Internet-Flat erhältlich. Gleich um die Ecke bei Ihrem Bäcker.
Oh, ich sehe schon, die Zukunft wird ein Traum. Denn ein Ausloggen aus dem ganzen Einloggen ist natürlich nicht mehr möglich. Dafür ist der Mensch halt zu viel Mensch und ohne Rückwärtsgang ausgestattet.
In diesem Sinne: Es lebe das Gästeklo!



