Skurriles von der B-Seite des Gehirns











{Mai 28, 2007}   Von der Symphonie des Signalklanges

oder: Warum Ohren durchaus ein evolutionärer Nachteil sein können

Hallo liebe Welt. Warum um Himmels Willen klingelt eigentlich jeder bei mir an der Tür? Jeder, der irgendwas bezüglich dieses Hauses möchte, benutzt dazu meine Klingel. Die Post, irgendwelche Leute, die einfach nur rein wollen, sprechfaule Aliens von irgendwo hinter der Venus, der Paketdienst. Alle. Steht auf meinem Klingelschild denn irgendwie die Aufforderung, jeder Vorbeikommende möge bitte einmal drauf drücken? Einfach so. Aus Spaß. Oder heißt mein Name in irgendeiner mir unbekannten Sprache so etwas wie Klingel der Allgemeinheit oder Bitte hier klingeln? Es wird demnach dringend Zeit meinen Nachnamen zu ändern. Oder zumindest das Klingelschild. Vielleicht irgendetwas nicht so einladendes. Kurz, prägnant und abschreckend. Ich dachte da so an Tod oder pelzige Orangenhaut. Vor allen Dingen ersteres lässt sich platzmäßig gut anbringen.
Wahrscheinlich bin ich aber auch selber schuld. Ich bin nämlich der einzige Name, der sich in Form von schwarzen Buchstaben auf weißem Hintergrund an der Klingelleiste ausgebreitet hat. Alle anderen Namen erstrahlen in Weiß auf Schwarz. Da darf ich mich anscheinend nicht wundern. Ich bin, wie immer, quasi selbst verantwortlich für mein Elend. Die verwendeten Großbuchstaben tun wahrscheinlich ihr Übriges. Das wäre doch mal eine interessante Studie. Die Erforschung des humanoiden Klingelverhaltens in Bezug auf die optische Aufbereitung statistisch signifikanter Klingelschilder. Obwohl, was soll’s. Das Ergebnis kenne ich ja.
Am schönsten war die gute Dame, die letztens ihr Fingerchen an meinem Summerchen betätigte. Und ich Idiot mache auch noch die Tür auf. Dass sie nichts von mir wollte, sollte ich ja eigentlich schon wissen, aber so ein Klingeln lockt mich immer wie in Trance zur Tür. Und das wissen diese Wahnsinnigen. Ich glaube, die riechen das förmlich. Von draußen durch die Tür bis hin zu mir. Da kann um mich herum passieren was will. Telefonklingeln, brennende Küche, sprechender Basilikumbusch, alles egal. Wenn’s klingelt, bin ich da. Und was sagt die gute Frau von vor der Tür zu mir? „Oh, ‘tschuldigung. Ich wollte nur zu Jäger.“
Ja, das ist ja schön. Aber warum klingelst du dann nicht bei Jäger fremdes Weib? Der hat auch eine Klingel, der gute Mann. Und ein Namensschild unten an der Tür. Gleich neben den Klingelknöpfen. Ist im Mietpreis mit inbegriffen. Was soll man denn dazu noch sagen?
Demnächst werde ich sicherlich eine Therapie brauchen, weil ich nicht mehr in der Lage sein werde, Besuch zu empfangen. Ich bin mittlerweile so auf ein „Is’ nur Werbung“-Geschrei aus dem Treppenhaus konditioniert, dass ich den Besuch gar nicht rein lassen würde. Und wenn doch, würde ich sagen, dass er das Paket für Jäger ruhig da vorne in die Ecke stellen kann, bevor ich völlig desorientiert und vor allen Dingen -illusioniert an mein Tagewerk zurückkehre.
Ich ziehe es ernsthaft in Erwägung, den Klingelknopf unter Strom zu setzen, aber wahrscheinlich hat das nur zur Folge, dass es überall im Hausflur ekelhaft nach verbrannten Fleisch stinkt. Und dann wird die Haustür zwecks Lüftung geöffnet und alle Leute werden wieder bei mir klingeln, denn meine Wohnungstür ist das erste, was man erblickt, wenn man in den Hausflur sieht.
Welch grausames Schicksal…



{Mai 27, 2007}   Sonntags-Dialog, Volume 16 (the hectic version)


{Mai 17, 2007}   Von der Wahllosigkeit der Zeit


{Mai 15, 2007}   Von der Schläue der Macht


{Mai 13, 2007}   Sonntags-Dialog, Volume 15


{Mai 07, 2007}   Von der Wabbeligkeit des Stoischen


{Mai 03, 2007}   Von der geistigen Rechtschreibschwäche


{Mai 01, 2007}   Sonntags-Dialog, Volume 14 (an einem Ersatz-Sonntag)



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