oder: Warum Gelee das wahre Gehirn dieser Welt ist
Hat die viel beschriebene Evolution in Bezug auf den Menschen eigentlich jemals stattgefunden? Ich meine, ist der Pommes-Döner mit alles drauf nun wirklich ein Zeichen für den ultimativen Höchststand des menschlichen Geistes? Der Zenit des Wissens mit Hähnchensoße und scharf?
Gut, anscheinend sind wir inzwischen des aufrechten Ganges bemächtigt, aber mussten wir dafür wirklich den Genitiv opfern? Ich weiß nicht, ob es für das stellare Gesamtgefüge so von Vorteil ist, wenn man zwar die Vordergliedmaßen einer zu großen Abnutzung durch geteerten Bodenbelag entziehen kann, aber dennoch nach’m Aldi und auf Arbeit geht.
Vielleicht ist der wahre Sinn der Evolution einfach der, mal kurz damit aufzuhören. Also mit dem Evolutionieren. So wie die Nomura-Qualle. 2m breit, 200kg schwer, 199,5 kg davon reines Wasser. Und das schon seit Ewigkeiten. Das nenne ich Konsequenz. Gut, es gibt einige Menschen, die diese Zahlenwerte auch aufweisen, aber man sollte das fette Rumhängen auf der heimischen Discount-Couch nicht mit der allwissenden Stille einer japanischen Ur-Qualle verwechseln. Die Nomura-Qualle schleppt sich auch so selten zum Arbeitsamt und beantragt Wohngeld für ein sonnig gelegenes Plätzchen im pazifischen Ozean. Geht ja auch nicht bei den kleinen Sitzen in den Fluren.
Die Qualle hat’s also verstanden und der Mensch denkt mal wieder, er ist mindestens noch viel schlauer als die olle Qualle. Sich mit dem Moment zufrieden zu geben und sein Leben zu leben heißt aber nicht, bei Oliver Geißen am Mittag kräftig ins Sofakissen zu blasen und ansonsten der physiologischen Wirkung von Pommes rot-weiß und Börek ihren ungehinderten Lauf zu lassen.
Bewusstes Sein ist gefragt, nicht stumpfes Dahindämmern. Das endet doch sonst auch nur sehr unangenehm später im Himmel. Wie würde wohl so eine Unterhaltung zwischen Hartz 4- Empfänger und Nomura-Qualle im postmortalen geistigen Zwischenäther aussehen?
Qualle: „Schön hier.“
Hartz 4-Empfänger: „Ey, schön? Alte, … scheiße is’. Was geht’n hier überhaupt?“
Qualle: „Alles und nichts.“
Hartz 4-Empfänger: „ Hä?? Ey was laberst’ denn für ‘ne Scheiße? Voll langweilig hier. Wo is’n mein Plasma-Flachbildschirm? Ey, der war doch gerade neu, alter, scheiße…“
Tendenziell enden diese Kreaturen in ihrer nächsten Inkarnation als Sachbearbeiter beim Quelle-Versand oder einfach als Billig-Plastik-Toaster ohne Grillfunktion, während die Qualle wahrscheinlich eine Existenz als Südseepalme oder erfrischende Sommerbrise angeboten bekommt. Kann also noch etwas dauern mit unserer Ankunft im ewigen Nirwana.
Wenn wir alle nur so ein bisschen mehr wie die Qualle wären. Nur so ein kleines bisschen. So fünfzig Kilo Riesenqualle würden zur Erleuchtung ja schon reichen. Ich bin mir sicher, mit dieser geistigen Reife hätte die Menschheit schon lange das s-Apostroph abgeschafft und dem Genitiv seine Wunden könnten langsam wieder heilen. Der arme, ich würde es ihm so gönnen.




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