oder: Warum die Schweden bestimmt keinen Krustenbraten essen
Ich meinem bisher wenig dekadenten Leben habe ich es nun endlich geschafft. Ich bin aufgestiegen in die Höhen der verachtenden Konsumgesellschaft und schaue von dort auf das langweilig sinnvoll konsumierende Restvolk herab, denn: Ich habe einen Topf weggeschmissen. Weil er dreckig war. Das war der Grund. Genauer gesagt, war jener Topf aufgrund meiner Kochkünste absolut unrettbar verdorben und ich finde, das nimmt dem Ganzen auch schon wieder etwas von der eben beiläufig erwähnten Dekadenz.
Dabei bin ich eigentlich gar nicht eine so miese Köchin. Aber wahrscheinlich wollte irgendeine höhere Instanz, vermutlich der Kaloriengott, verhindern, dass ich mich des abends genüsslich mit circa einem halben Kilo Pudding auf dem Sofa niederlasse. Danke ihr Schlankheitsgötter da oben, das ist ja nett gemeint, aber muss dafür gleich ein ganzer Topf geopfert werden? Dazu auch noch aus einem Dreierset von Ikea? Denkt einer von Euch da vielleicht mal an die trauernden Zurückgebliebenen, die nun nur noch zu zweit in den Tiefen meines Küchenschranks rumlungern? Ganz zu schweigen von meinen Geschmacksrezeptoren, die einfach nicht glauben wollten, was sich ihnen da schon vor ein paar blubbernden Minuten auf olfaktorischen Wege offenbarte. Was du nicht wahrhaben willst, das ignoriere am besten. So habe ich es auch mit der Puddingmasse gehalten. Himmel, da stand doch nun auch drauf, dass man das Zeug bei starker Hitze unter ständigem Rühren blubbern lassen sollte, bis es eine geschmeidige Fettzellen stimulierende Masse aus Zucker und Maisstärke ist. Und es ist ja auch nicht so, als hätte ich den Topf von unten mit einer Armee eigens dafür hergestellter Flammenwerfer erhitzt. Gut, es handelte sich um türkischen Pudding, aber die kochen doch auch mit mehr als einer altersschwachen Teelichtkerze.
Fakt ist auf jeden Fall, dass der Boden des Topfes trotz meines ordnungsgemäßen Erwärmungsverfahrens schwarz war. Und ich rede hier nicht von diesem Schwarz, dass man drei Tage lang freundlich ignoriert, indem man all seine Abwaschsorgen in einer Suppe aus abgekühltem Heißwasser und Spüli langsam vor sich philosophieren lässt. Nein, ich rede von einem Schwarz, das ungefähr das gleiche Selbstbewusstsein besitzt wie ein hartnäckiger Vorwerk-Vertreter, der sein Monatspensum an moosgrünen Staubschluckern noch nicht erreicht hat. Nichts zu machen. Nicht mal mit einem großen Küchenmesser und mehreren geliehenen Presslufthammern konnte ich der tagelang eingeweichten Schwarzkruste zu Leibe rücken. Der Topfboden war einfach eine chemische Reaktion mit sich selbst und der kochenden Puddingmasse eingegangen. Aggregatzustand fest. Was sollte ich da auch noch machen? Alten Boden rausflexen und neuen einschweißen? Dazu fehlte mir leider die Schutzbrille. Den kompletten Boden mit silber-metallic Lack überstreichen? Das zieht zu viel gestalterische Nachsorge nach sich und außerdem würden die notwendigen Mengen an Farbe dem Topfinnenraum einfach zu viel verkochbares Volumen wegnehmen. Tja, ich hatte also keine Wahl. Adieu du Topf aus dem fernen Schwedenland, hergestellt in Süd-Ost-Asien. Es war eine schöne Zeit mit dir. Mögest du in Frieden ruhen und möge deine festgefressene Asche bis in alle Ewigkeit ein Teil deiner Selbst sein.
Guten Appetit!




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