oder: Warum der Weihnachtsmann eine gespaltene Persönlichkeit hat
Ich frage mich, warum Buddha so gerne als lachende fette Sau dargestellt wird. Ob aus Stein, Holz oder geschmolzenen Gummibärchen, immer öfter sieht man den Erleuchteten mit einer Wahnsinnswampe. Ich denke, der gute Mann hat mehrere Tage und Wochen, wenn nicht sogar ganze Jahre und mehrere Inkarnationen sitzend unter einem Bäumchen in der totalen Einöde (vermutlich in Gummersbach) verbracht, bis das Aha-Erlebnis kam. Wie kann man da so fett werden? Hatte er einen Deal mit dem örtlichen Pizzaservice oder hat sich im Laufe der Zeit einfach wie an jeder freien Ecke der Welt eine Dönerbude an seine Seite gesellt? Man weiß es nicht, aber es drängen sich Vermutungen auf.
Vielleicht ist der fette Buddha auch nur ein geschickter Marketing-Gag. Eine Erfindung der Werbung oder der Amerikaner oder am besten gleich von beiden zusammen. Sicherlich hat auch der Osterhase seine Löffel mit im Spiel. Wahrscheinlich ist der fette Buddha gleichzeitig mit dem Weihnachtsmann entstanden. Irgendjemand wollte den roten Kerl mit dem besorgniserregenden Vollbart mal nackt und rasiert sehen und siehe da: Da machen wir doch noch gleich ein zweites Symbol moderner Weltanschauung draus. Ist ja auch so schrecklich zeitgemäß. Wenn man sich schon fern ab aller persönlichen Werte eine billig produzierte Massenware als Zeichen einer Religion, bei der man sich noch nicht mal über die Anzahl der Ds im Klaren ist, weil das eigene Gehirn viel zu sehr damit beschäftigt ist, den Raum auf Temperatur zu halten, in die Bude stellt, dann soll der Ramsch doch wenigstens genau so scheiße aussehen, wie man selbst. Das verbindet. So kann der Möchtegern-Gläubige von heute sich besser mit dem identifizieren, was er da glaubt, leider aber noch nicht mal im Ansatz versteht. Und er denkt sich: Super, da hau ich mich mal eben’n paar Jahre in’n Garten und trommel mir n’ paar Hektoliter Helles und fünf Schweine auf Toast rein und alles wird gut. Das ist natürlich relativ. Gut ist dabei vielleicht, dass der Neugläubige so den ewigen Kreislauf der ständig fortwährenden Inkarnationen etwas schneller durchläuft, weil er schon mit 42 an Herzverfettung stirbt. Aber Vorsicht ist geboten, wenn man auf der Schnellspur ins Nirvana will. Nicht zu selten rast man am ewigen Ziel vorbei und findet sich als gebratene Kuhschnauze auf einem ost-asiatischen Wochenmarkt wieder. Das kann deprimierend sein.
Der fette Buddha an sich kann ja auch nicht vernünftig sitzen. Man wird keine fette Buddha-Statue sehen, die in dieser derartig unbequemen meditativen Schneidersitzhaltung irgendwo im Wohnzimmerschrank unter dem Posterdruck dreier japanischer Schriftzeichen rumhockt. Das wäre anatomisch ja auch völlig unmöglich. Darum hat er zumindest eines seiner tempelsäulengleichen Beinchen immer dezent zur Seite abgestreckt. Das entlastet die Gelenke. Umgerechnet auf einen unerleuchteten (und somit selten als Statue erhältlichen) Menschen, würde der fette Sitzsack nämlich bestimmt 150 Kilo wiegen. Da kann man keine Beine mehr verknoten und ein lockeres Ommm in den Existenzäther flöten. Da kann man höchstens froh sein, wenn man überhaupt noch Beine hat, die einen tragen. Ist ja nicht selbstverständlich. Auch die Schwerkraft und der moderne Knochenbau haben ihre Grenzen.
Aber Buddha wäre wohl nicht Buddha, wenn er den ganzen Mist nicht durchschaut hätte. Fette Buddhas lachen nämlich zumeist, während ihre schlanke Verwandtschaft eher eine Tendenz zum Mürrischen aufweist. Ist ja auch verständlich. Da hockt man ewig unter einem Baum, verkneift sich alle Sahneschnitten und Schweinebraten und hat höchstwahrscheinlich noch nicht mal ordentlichen Sex, um am Ende bei lidl als trendiger Dekoartikel für 3,99 Euro verramscht zu werden. Das kann einem die Laune schon mal verderben. Der fette Buddha aber weiß: Wenn man das Nirvana erst mal erreicht hat, dann sind die Kilos auch irgendwie weg. Schließlich ist man nur noch Geist, also frei von jeglichem Hüftspeck. Wobei ich nicht abstreiten kann, am Wochenende morgens um vier die ein oder andere geisterhafte Gestalt mit Fettrolle und String-Tanga unter einem Bäumchen im Park sitzend gesehen zu haben. Wahre Erleuchtung verbirgt sich eben doch meistens dort, wo man es am wenigsten vermutet.




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