oder: Warum die eine doch wie die andere ist
Dass ich es nun geschafft hatte, ein paar Photos zu bestellen, heißt noch lange nicht, dass ich sie auch abholen kann. Wozu als lässiger Neuzeit-Photoautomat von Welt überhaupt ein Abholdatum auf den verschmierten Monitor schmeißen, wenn es eh nicht das Abholdatum für die bestellten Bilder ist? Vielleicht war es auch einfach das Datum, an dem meine Lieblings-Rossmann-Fachverkäuferin ihren freien Tag hat? Oder das Abholdatum für Frau Schnötentrödts nachbestellten Blasen-und Nierentee? Ich hoffe nur, die arme Frau musste den nicht an einem Phototerminal mittels selbst gebrannter CD und inkompetenter Fachkraft bestellen…
Meine Photos waren kurz vor Ladenschluss des Abholtages natürlich noch nicht da. Wahrscheinlich die negativen Restschwingungen meines letzen Besuches. Ich musste das Nicht-Vorhandensein jener photogenen Ausdrucke natürlich verbal verarbeiten und summte etwas ähnlich Liebliches wie Scheißladen, war doch klar, Saftladen hier, das war das letzte Mal… vor mich hin. Unglücklicher Weise erreichten diese Worte des inneren Monologes das linke Ohr einer na….(??…!), ja…!
Einer Rossmann-Fachverkäuferin! Wie schön. Sie war ungefähr so freundlich wie ich und wollte mir aber trotzdem helfen. Wenn ich sie gewesen wäre, hätte ich mich höflichst ignoriert. Aber ich werde ja schließlich nicht dafür bezahlt.
Sie fragte also tatsächlich, ob sie mir helfen könne. Gleich nach dem Satz, der eigentlich eine Frage, in ihrem Falle aber ein grimmig unterlegter Vorwurf war und wie folgt lautete:
„Haben Sie auch richtig nachgesehen?“
Es lagen ungefähr vier Auftragstaschen weiträumig verteilt in der Schublade für Posteraufträge. Die Taschen aalten sich vor lauter Überfluss und Dekadenz auf ihrer Stabilisierungspappe und sangen politische Befreiungslieder, während sie damit beschäftigt waren, einfach verdammt viel Platz zu haben. Wäre man eine Phototasche in dieser Schublade gewesen, wären benachbarte Phototaschen im Schnitt mindestens 5 Milliarden Lichtjahre und eine Regenwurmlänge entfernt gewesen. Was sollte ich da übersehen? Vielleicht waren meine Photos ja schon lange da, bloß ihr Licht hatte mich noch nicht erreicht. Das Rossmann-Photoregal, wir schreiben das Jahr 4073, unendliche Weiten…
Die Sache hatte sich aber auch recht schnell erledigt, als die gute Rossmann-Frau nach meiner Karte mit der Auftragsnummer fragte. Damit sie nachgucken kann. Falls ich plötzlich erblindet wäre und mein Hirn sich eine wabernde Masse aus Naturkautschuk verwandelt hätte. Weiß man’s?
Ich hatte jene Karte aber leider vergessen und so verebbte jegliche vorgetäuschte Hilfsbereitschaft quasi schon im Ansatz. Da konnte sie natürlich nichts machen, die gute Rossmann-Fachverkäuferin. Keine Karte, keine Identität, kein Recht auf Photos, kein Recht auf Beanspruchung wertvoller Fachverkäuferinnenzeit. Ich konnte quasi sogar froh sein, dass meine Bilder noch nicht da waren, denn ich hätte sie so ja auf keinen Fall ausgehändigt bekommen. Muss man verstehen. Da kann ja schließlich jeder kommen und behaupten, er wäre die Person auf den Bildern. Ja wo kommen wir denn da hin? Etwa zu ein bischen aktiver und praktisch orientierter Eigenhirnbenutzung?
DAS kann ja keiner wollen…



