Skurriles von der B-Seite des Gehirns











{Januar 29, 2008}   Von der Kreativität des Verbesserungsvorschlags

oder: Warum Erdbeerkuchen nur eine Illusion ist

So Rechtschreibprogramme sind schon was Feines. Die sind viel schlauer als ich. Und die kennen viel lustigere Wörter als ich. Und wahrscheinlich meinen die auch noch, dass sie mit ihren vielen lustigen Wörtern noch viel lustiger sind als ich. Miststücke.

Mein Rechtschreibprogramm verweigerte mir heute die Kenntnis des Wortes Lieferservice. Aber es wäre ja nicht mein liebes, treues und extrem kreatives Rechtschreibprogramm, wenn es nicht eine phonetische, wenn auch nicht zwingend logische, Alternative parat gehabt hätte. Diese Programme wollen einem ja immer so charmant wohlwollend mit diesen netten roten Kringeln unter den Wörtern nahe legen, dass man noch dümmer als ein unterkühlter (bzw. unterkellerter, Anm. des Rechtschreibprogramms) Klumpen Toastbrotrohmasse ist, wenn man dieses Wort jetzt wirklich so schreiben will wie man es soeben geschrieben hat. Statt Toastbrotrohmasse zum Beispiel bietet es mir das Wort Elektronenmasse an. Und letzten Endes hat es damit ja sogar Recht. Im weitesten Sinne ist ja jede Toastbrotrohmasse nichts anderes als Elektronenmasse. Im weitesten Sinne sind wir alle nicht mehr als Elektronenmasse. Im Grunde genommen ist also alles und jeder Elektronenmasse, so dass das Wort Elektronenmasse quasi zum einzigen Wort wird, das die Existenz überhaupt braucht. Faszinierend, nicht wahr? Und doch meint mein Rechtschreibprogramm das Wort Kieferservice als Alternative für Lieferservice zu kennen. Da ist es seinem großen Bruder Google weit voraus, denn der kennt jenes entzückende Wort noch nicht. Was mag das also wohl sein? Kieferservice? Was willst du mir damit sagen, liebe rechtschreibende Elektronenmasse? Ist das ein ernst gemeinter Vorschlag, der sich nur durch deine eigene Dummheit entschuldigen lässt oder ist es gar schlimmer? Ist es am Ende etwa der Versuch, mich vor der ganzen Welt bloß zu stellen? Indem du mir Wörter als richtig und existent verkaufst, die es so gar nicht gibt? Oder was macht bitteschön so ein Kieferservice? Bieten da jobmäßig perspektivlose Nadelhölzer unbescholtenen Kiefern ihre borkigen Dienste an? Oder ist das ganz einfach ein Service zum Beschaffen einer ganzen Kiefer. Am Stück. „Du Schatz, ich hätte so gerne eine Kiefer im Vorgarten. Ja Liebling. Kein Problem. Ich ruf schnell den Kieferservice an, der bringt dann eine vorbei.“ Ist das wirklich dein Ernst?

Ich finde, es fehlt diesen Rechtschreibprogrammen ein wenig an der nötigen Ernsthaftigkeit. Oder wie lassen sich sonst diese anderen geistigen Ausfälle erklären? Statt meines Quarkstrudels soll ich ein Starkstromkabel essen, an einer Weggabelung soll ich entweder die Nibelungen fragen oder mich auf die Düsenverkabelung berufen und wenn ich die 1. Vorsitzende des örtlichen Nacktschneckenzuchtvereins wäre, dann würde meine Existenz auf ein schlichtes Schneckengewinde reduziert. Ganz zu schweigen vom nachmittäglichen Erdbeerkuchen, der mit ölverbrauchenden Sendeversuchen endet. Mal ehrlich, war das ganze erfinderische Pack total dichtgekifft, als es diese Alternativen in die Welt gesetzt hat? Wohl kaum, denn sonst würde es aus dem Wort dichtgekifft keine Lichtgriffel machen wollen. Lichtgriffel. Klingt irgendwie pervers im esoterischen Sinne, ist aber in Wahrheit zum einen Singular und zum anderen ein Computer-Eingabegerät zum direkten Arbeiten auf einem Röhrenbildschirm. Wozu ein dichtgekiffter Zustand wiederum sehr zum Vorteil sein kann. Am Ende merkt man also doch wieder, dass man niemandem auf dieser Welt trauen kann. Erst recht keinem Rechtschreibprogramm, das angibt, kein Orthografieprogramm zu kennen und als diesbezügliche Alternative ein Demontageprogramm vorschlägt. Nun denn.



{Oktober 30, 2007}   Von der Halbwertszeit der Wohnlichkeit


{Oktober 05, 2007}   Von der Fettleibigkeit der Weisheit


{August 04, 2007}   Von der Differenz zwischen den wahren Geschmäckern


{Juli 05, 2007}   Von der Dunkelheit des Bodensatzes


{Mai 28, 2007}   Von der Symphonie des Signalklanges


{Mai 17, 2007}   Von der Wahllosigkeit der Zeit


{Mai 07, 2007}   Von der Wabbeligkeit des Stoischen


{Mai 03, 2007}   Von der geistigen Rechtschreibschwäche


{April 26, 2007}   Von der Nichtexistenz der Existenz



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